Roman

Gejagt im Eis

Eine Tour über Eis und Schnee auf Spitzbergen ist vermutlich nicht jedermans Reisetraum. Insbesondere der Ort Longyearbyen scheint nicht sehr verlockend zu sein, da es dort stets eiskalt ist und es praktisch nichts gibt. Martin Moltzau, ehemaliger Extremabenteurer (wie auch der Autor selbst), bietet Touren mit dem Schneemobil an. Seine neuen Gäste sind ein amerikainsches Paar samt erwachsener Tochter. Noch bevor die Tour losgeht, wird Moltzau schwer am Bein verletzt. Doch der Mann ist zäh und sie fahren trotzdem los.

Spätestens jetzt entpuppt sich der Roman als Schauplatz für Einöde (Spitzbergen) und einen angeblich „actionreichen Höllenritt“ (Klappentext), der irgendwie ganz schön mühsam daherkommt. Wer sich aber für Schneemobile interessiert und harte Kerle mag… Dazwischen stehen politische Interessen der Russen, USA und Eruopas, die irgendwie vor Ort zusammenlaufen. Irritierend ist die Gefühlsarmut des Protagonisten – oder soll er nur so hart wirken? Unglaubwürdig erscheint er als Figur, die allen Gefahren trotzt, schießen kann, super intelligent ist und voll die Menschenkenntnis hat. Er watet durchs Eiswasser, läuft und fährt ohne Schuhe mit nasser Kleidung bei gefühlten -50 Grad herum und erschrickt nur minmial, wenn Menschen sterben. Auskennen muss er sich in der Einöde übrigens nicht, wie mehrfach erwähnt, hat er ein supertolles GPS-Gerät dabei.

Vielleicht habe ich diesen Thriller nicht verstanden oder es ist doch ein „Männerroman“.

Fazit: Actionreiche Spannung oder eher mühsame Schneemobilfahrerei ohne Tiefgang. Es scheint Geschmackssache zu sein.

Odd Harald Hauge: Gejagt im Eis. Benevento 2021

ISBN 978-7109-0112-6

Roman

Todsichere Rezepte für die moderne Hausfrau

Alice ist eine NewYorkerin, die soeben ihren Job verloren hat. Und sie ist frisch verheiratet. Ihrem Mann zuliebe und mit der Absicht, endlich einen Roman zu schreiben, zieht sie mit ihm ins Umland in ein altes Haus. Wohlfühlen kann sie sich nicht so richtig. Als sie ein Kochbuch findet, das aus den 50ern stammt, hat sie Spaß daran, Rezepte auszuprobieren (die übrigens recht seltsam sind). Sie lernt ihre Nachbarin kennen und erfährt nach und nach die Geschichte der Kochbuchschreiberin Nellie.

Nellies Geschichte ist interessant, traurig und spannend. Alice bleibt dagegen relativ unsympathisch, da sie nicht recht dazulernt. Das ist schade, denn der Roman ist an sich unterhaltsam geschrieben und zeigt durch die Verbindung über das Kochbuch, wie das Leben für Frauen in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg sein konnte.

Fazit: Trotz einiger Schwächen ein unterhaltsamer Roman, der zwei Zeitebenen verbindet. Es ist kein Krimi, jedoch zeitweise recht spannend zu lesen.

Karma Brown: Todsichere Rezepte für die moderne Hausfrau. Penguin 2021

ISBN 978-3-328-10661-6

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Kleine Klanggeschichten für die Krippe

Trommeln, Klatschen, Rasseln, Patschen

Kleine Klanggeschichten für die Krippe

Geschichten, Töne, Rhytmus, das sind wichtige Bestandteile des Krippenalltags. Klanggeschichten vereinen diese Elemente. kleine Geschichten oder Verse werden vertont bzw. mit (Rhythmus-) Instrumenten begleitet.

In diesem Buch gibt es Klanggeschichten zu verschiedenen Themen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Zu jeder Zeile der kleinen Geschichten findet man nebenan die entsprechenden Hinweis, welches Instrument wie verwendet wird. Die Geschichten sind auf die Lebenswelt der Jüngsten abgestimmt und sprachlich angepasst. Das Layout verschafft eine klare Struktur, sodass man sich einfach zurechtfindet.

Fazit: Mit diesem Buch können Klangeschichten in die Krippe aber auch Zuhause einziehen. Nette kleine Geschichten lassen sich dank klarer Anleitung gemeinsam mit Kindern vertonen, sodass eine musikalische Zeit allen Freude macht.

Michaela Lambrecht: Kleine Klanggeschichten für die Krippe. Verlag an der Ruhr 2021 (ehemals Cornelsen2019)

ISBN 978-3-8346-4805-1

Roman

Wunderjahre

Aufbruch in eine neue Zeit

Ruht arbeitet 1952 als Lehrerin. Ihr Mann ist nicht aus dem Krieg heimgekommen und sie lebt mit 28 Jahren bei ihren Eltern in der Eifel. Eigentlich war ihr Wunsch, die Firma des Vaters, ein Steinbruch, zu übernehmen. Das sollte aber der Bruder tun (der es nicht wollte). Doch der fiel im Krieg.

Ruth liebt die Natur in der Eifel und „ihren“ Steinbruch. Der Vater nannte sie als Kind immer „Steinprinzessin“ und sie empfindet sich auch so. In der Natur, im Steinbruch lernt sie Paul kennen und verliebt sich direkt in ihn. Zugleich verändert sich einiges in ihrem Leben, was sie verunsichert. Und schließlich stirbt der Vater.

Um nicht zu viel zu verraten: Ruth stellt sich der Herausforderung, den Steinbruch zu führen. Und sie muss mit einigen Hindernissen kämpfen. Das tut sie auf ihre Art und so, wie es 1952 für eine junge Frau möglich war. Denn in dieser Zeit sind die Rechte der Frauen plötzlich wieder mehr eingeschränkt, die Männer sind zurück und wollen wieder bestimmen.

Was für uns heute als Wunderzeit erscheint, war damals eine harte Zeit, für Männer und Frauen. Männer kamen verstört, verbort und meist traumatisiert aus dem Krieg und wollten ihr altes Patriarchat zurück, indem sie sich auskannten. Frauen aber hatten sich jahrelang ohne Männer durchgeschlagen und sollten nun ihre Selbstständigkeit wieder aufgeben. Die Autorin zeigt dies beispielhaft am Leben von Ruth, die einen Steinbruchbetrieb führen will und mit ihrer Tatkraft so einiges schafft, was ihr niemand zugetraut hat.

Fazit: Die Autorin zeigt recht anschaulich, wie schwierig es war, sich in den Aufbruchsjahren als Frau durchzusetzen. Leider geht dies manchmal etwas zu wenig in die Tiefe und scheint durch Zufälle und dankbare Fügungen zu schnell abgetan. Doch die Figur Ruth und ihr Leben sind interessant, spannend und auch romantisch erzählt, sodass es Freude macht, das Buch zu lesen.

Birgit Reinshagen: Wunderjahre. Heyne Verlag 2021

ISBN 978-3-453-42462-3