Hörbuch · Roman

Wenn ich dich hole

Lesung mit Stefan Kaminski und Lotte Ohm

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Die Szenerie ist für jede Mutter, jeden Vater nachvollziehbar erschreckend: Das neunjährige Kind ist allein zuhause und keiner ist erreichbar, der zu ihm kommen kann. Wenn dann nach und nach deutlich wird, dass es jemand auf das Kind abgesehen hat …

Anja Goerz erzählt die Geschichte einer unerfüllten Liebe, einer Frau, die ein Trauma nicht verarbeitet hat und über viele Jahre hinweg einem perfiden Plan folgt. Zusammengefasst wäre der Plot schnell erzählt und man könnte meinen, dafür reichten auch 100 Seiten bzw. ein, zwei CDs aus. Doch die Autorin erzählt sehr dicht, lässt den Leser nah an die Gedanken, kleinen Ereignisse, die meist belanglos und doch so nervtötend sind, heran und tief einsteigen in die bangen Stunden der Eltern des kleinen Lewe.

Die Sprecher Stefan Kaminski und Lotte Ohm geben nicht nur den Text wieder, sondern schaffen eine spannende Atmosphäre, geben jedem Charakter eine eigene Stimme, selbst den kleinsten Nebenfiguren.

Fazit: Ein spannendes Hörbuch, gut durchdacht und brillant erzählt.

Anja Goerz: Wenn ich dich hole. DAV 2017

ISBN 978-3-7424-0006-2

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Und mehr...

monbijou Notizbuch floral

Dieses Notizbuch mit den Maßen 17,5 x 23 x1,3 cm im Pappumschlag ist auf den ersten Blick poppig schön. Das bunte Muster ist leicht plastisch aufgedruckt, sodass man es mit den Fingerspitzen fühlen kann und die Details noch peppiger wirken.

Klappt man den Deckel auf, ist er innen mit schwarzen, ungleichmäßigen Pünktchen übersäht. Im hinteren Innendeckel befindet sich eine Lasche, die man als Tasche für Zettel nutzen kann.

Das relativ dünne Papier (ca. 90 g) ist liniert und mit Perforation versehen, sodass man es leicht abreißen kann. Es ist an einer Spirale befestigt und lässt sich so sehr leicht umblättern.

Das Notizbuch ist kein stabiles Zeichen- oder Tagebuch (nicht geeignet für Bulletjournals), sondern wirklich ein Notizbuch, aus dem man auch Seiten herausreißen kann.

Fazit: Ein praktisches Notizbuch für Leute, die ihre Ideen gerne in schöne Bücher schreiben und auch mal ein Blatt herausreißen möchten.

monbijou Notizbuch floral

Art. Nr. 176517 im Lingen Verlag

Selber machen

Wandersocken stricken

Socken mit verstärktem Fuß neu entdeckt

6987.jpgEndlich kann ich es! Dank Ewa Jostes neuem Buch „Wandersocken stricken“ habe ich endlich verstanden, wie man eine verstärkte Ferse rundstricken kann. Es ist so einfach und dank der bebilderten Schritt-für-Schritt-Anleitungen auch gut nachzuvollziehen, wenn man noch nicht so geübt ist.

Die Modelle gefallen mir fast alle sehr gut, vor allem weil die Zusammenstellung von Farben, Formen und Techniken teilweise neu sind. Dank de ausführlichen Anleitungen wird sogar eine Socke namens „Drachenschlucht“ mit großem Zackenmuster möglich, auch wenn man sich sonst nicht an Muster wagt.

Fazit: Ein gelungenes Büchlein für Sockenstricker, die stabile Socken mit „doppeltem Boden“ stricken möchten.

Ewa Jostes: Wandersocken stricken. Topp 2017

ISBN 978-3-7724-6987-9

Selber machen

200 Tipps, Tricks & Techniken Natürliche Schönheit

Naturkosmetik, Aromatherapie und mehr fürs Wohlbefinden

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„Selbst gemachte Schönheitspflege auf der Basis natürlicher Inhaltstoffe ist so beliebt wie nie zuvor.“ (Klappentext). Wer sich hier angesprochen fühlt, findet mit diesem Buch ein sehr übersichtliches und fachlich anspruchsvolles Handbuch. Die sechs Kapitel sind logisch aufgebaut und führen alle auf, was man braucht, wenn man sich selbst Kosmetik herstellen will:

1 Die Auswahl der Inhaltsstoffe

2 Das richtige Handwerkszeug

3 Natürlich glänzendes Haar

4 Großartige Gesichtspflege

5 Ausgleichende Körperpflege

6 Düfte und Aromatherapie

Die Autorin legt großen Wert darauf, wirklich natürliche Inhaltstoffe zu verwenden und gibt zahlreiche Tipps zur Beschaffung und zur Aufbereitung dieser Stoffe. Sehr praktisch sind Listen und Hinweise zur Lagerung, zur Haltbarkeit und auch zur Auswahl für bestimmte Zwecke. Außerdem gibt es große Tabellen über Nutzen und Zweck von bestimmten Stoffen, wie Trägerölen oder Kräuter.

Ausführlich und sehr anschaulich wird beschrieben, wie man die Kosmetik selbst herstellen kann. Dabei kann man tatsächlich bei 0 anfangen, denn die Autorin erklärt genau, wie man vorgehen muss.

Zahlreiche Fotos und ein lockeres Layout helfen, den Text zu veranschaulichen und erleichtern die Übersichtlichkeit.

Fazit: Ein Muss für alle, die sich an das Selbstherstellen von Kosmetik wagen und tief in die Materie einsteigen wollen.

Shannon Buck: 200 Tipps, Tricks & Techniken Natürliche Schönheit. Topp 2017

ISBN 978-3-7724-7731-7

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Kinder- und Jugendbuch

Schnipselgestrüpp

9783407795380

Eine merkwürdige Familie ist das in diesem Buch: Die Eltern sitzen vor der Glotze und das Kind muss im Zimmer bleiben. Es hat einen Teppich aus Zeitungspapier, weils nichts kostet. Die Zeitungen stammen aus dem Papiermüll im Hof. Die Eltern sind arm – nicht nur, weil sie kein Geld haben, so scheint es. Denn sie wissen offenbar auch nichts mit sich und ihrem Kind anzufangen.

Die Stimmung in der Geschichte ist entsprechend eher drückend als fröhlich. Doch wenn der Junge von sich erzählt, von dem, was er sich ausdenkt, wird es plötzlich fröhlicher und auch irgendwie verrückt.

Die Illustrationen von Julia Friese geben nicht einfach nur den Text wieder. Sie sind vielmehr Momentaufnahmen aus dem Leben des Jungen. Genauso geschnipselt, wie er es mit den alten Zeitungen macht. Ein Fisch aus Zeitungsstücken, bunte Bilder zwischen Kritzeleien und immer wieder der Junge mit groben Kreidestrichen gezeichnet, fast verstörend, wie verändert er manchmal aussieht.

Aus der Beschreibung und dem Klappentext hatte ich gelesen, dass es sich um eine Art Fantasieabenteuer eines Jungen handelt, der sich die Welt zusammenschnipselt. In Wirklichkeit ist es ein Buch über einen Alleingelassenen, der sich die Welt, die er nicht erkunden darf, selbst gestaltet. Kein lustiges Abenteuer, sondern eine traurige Notlösung, um der Einsamkeit zu entfliehen. Das Happyend ist dann aber so schön, dass es all die tristen Momente im Buch wieder gut macht. Die Fantasie hat gesiegt!

Fazit: Das Buch ist fantasievoll gestaltet. Die Geschichte ist ungewöhnlich und regt sehr zum Nachdenken und Weitererzählen an.

Julia Friese und Christian Duda: Schnipselgestrüpp. Beltz & Gelberg 2013

ISBN 978-3-407-79538-0

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Kinder- und Jugendbuch

Soulsister

9783570174050_CoverRomy ist die jüngere Schwester, die unscheinbarere, so denkt sie. Polly war die ältere von ihnen und wusste immer, wo es langgeht. Seit einem Jahr ist Polly tot und Romy hat sich eingeigelt, um nicht vom „schwarzen Loch“ gefressen zu werden. Die Eltern sind mit der Situation überfordert, die Trauer um die Tochter macht sie hilflos. Sie sind plötzlich streng zu Romy, vernachlässigen sie aber gleichzeitig. Eine fast 16jährige kann selbstständig ihren Alltag meistern. Die trauernde Schwester einer verunglückten „besten Freundin“ und zugleich dem Vorbild hat damit große Probleme. Zum Glück hat Romy ihren Hund Mister Boo, mit dem sie lange Spaziergänge macht. Dabei passiert ein kleiner Unfall, als der Hund inmitten eines Fußballspiels läuft…

Romy verliebt sich plötzlich, unerwartet und sehr intensiv in Killian, den Fußballspieler, mit dem sie zusammengestoßen ist, als sie ihren Hund vor den Fußballschuhen retten will. Killian ist 19 und Romy 15. Blöderweise taucht immer wieder Polly auf und redet mit Romy. Die flüstert ihr ein, das wahre Alter besser zu verschweigen… die erste Lüge.

„Wenn ein Löwenzahn durch den Asphalt an die Oberfläche wachsen kann, werden wir für dich ja wohl einen Weg finden.“ (S. 147)

Die Geschichte von Romy ist aus ihrer Perspektive geschrieben und liest sich viel zu schnell. Denn Romy ist sehr sympathisch, sodass man von der ersten Seite an wissen will, wie es ihr geht. Auch die anderen Figuren haben alle ihren Charme, ihre interessanten Seiten und manchmal auch ihre Geheimnisse. So wird es nie langweilig, zu erleben, wie Romy erwachsener wird. Sie lernt sich selbst besser kennen und findet irgendwann sogar heraus, dass sie einfach nur sie selbst sein muss, wenn sie geliebt werden will.

Man könnte meinen, so naiv wie Romy kann kein Mädchen sein, sich in einen Fußballstar zu verlieben und zu glauben, man hätte seine Ruhe vor der Presse. Doch Romy interessiert sich nicht für Fußball, hat sich ein Jahr lang überhaupt nicht mit gesellschaftlichen Dingen beschäftigt und hält nichts von der Klatschpresse. Sie ist nicht naiv, sondern mit sich selbst beschäftigt und damit, um ihre Schwester zu trauern.

Jennifer Benkau hat alle Fäden in der Hand gehabt beim Schreiben, denn jedes Detail hat seine Berechtigung, nichts steht da einfach nur so. Die Szenen laufen niemals in Leere und man kann sich nach den relativ kurzen Kapiteln immer wieder darauf freuen, weiterzulesen.

Fazit: Eine glaubwürdige, liebevolle Geschichte um ein Mädchen, das sich selbst erkennt und lernt, sich von ihrer verstorbenen Schwester zu lösen.

Jennifer Benkau: Soulsister. cbj 2017

ISBN 978-3-570-17405-0

Roman

Die relative Unberechenbarkeit des Glücks

9783764505752_CoverEthan ist 12 und scheint bereits ein Physikgenie zu sein. Er sieht Wellen und denkt wie ein Wissenschaftler. Damit eckt er natürlich an und selbst sein einziger Freund stellt sich irgendwann gegen ihn. Irgendwann kriegt er raus, dass sein Vater etwas furchtbares mit ihm angestellt haben muss…irgendetwas Schlimmes war passiert, als Ethan ein Baby war. Doch was und warum hat es seine Mutter ihm nie erzählt?

Die Mutter, Claire, war Ballerina und stand vor ihrer größten Chance, als „Es“ passierte. Seitdem ist sie für Ethan da, allein, ohne ihren Mann Mark, den sie so sehr liebte.

Mark soll seinem Vater einen letzten Wunsch erfüllen und ihm den Enkel ans Sterbebett bringen. Doch Claire erlaubt es nicht, sie will nicht, dass die alten Wunden aufbrechen.

Alles ändert sich, als Ethan eine Zeitmaschine baut…

Antonia Hayes Debütroman ist bis ins kleinste Detail ausgefeilt und außerordentlich gut recherchiert. Ob ein Physiker alle Erläuterungen und Behauptungen im Buch unterschreiben würde, weiß ich nicht, doch mir als Laien erscheinen sie alle glaubwürdig. Die Autorin schafft es, eine ausgewogene Sprache zwischen der Welt der Wissenschaft im Kopf des Jungen Ethan und seinen Gefühlen hinzubekommen, die sehr leicht zu lesen und vor allem glaubwürdig ist. Auch wenn Claire, die Mutter des Jungen, oder Mark, der Vater erzählen, kann man sich als Leser in sie hineinversetzen.

Die Sache mit dem Schütteltrauma finde ich stellenweise etwas zu „amerikanisch“ dramatisiert. Dass ein Schütteltrauma schrecklich ist steht außer Frage. Doch wird im Buch immer wieder von einem Verbrechen gesprochen, als hätte der Vater es geplant. Andererseits beleuchtet die Autorin sehr genau die Gefühlswelt des Vaters, der überfordert ist mit der Situation, ein immerfort schreiendes Baby zu betreuen, während er eigentlich an einem Text arbeiten muss. Doch weder bei der Gerichtsverhandlung noch bei den Erzählsträngen der Mutter wird jemals erwähnt, dass es eine Affekthandlung war, keine geplante oder mutwillige Tat. Der Vater liebte seinen Sohn und ist ausgetickt – das entschuldigt nicht seine Tat, macht sie jedoch nachvollziehbarer und sollte eine andere Art von Aufarbeitung nach sich ziehen. Der Vater hätte beispielsweise eine Therapie machen sollen, um seine Impulskontrolle besser in den Griff zu kriegen…

Fazit: Die faszinierende und spannende Geschichte eines Jungen, der alles tun will, um seinen Vater kennenzulernen, damit er verstehen kann, was mit ihm passiert ist und warum er so außergewöhnliche Fähigkeiten hat.

Antonia Hayes: Die relative Unberechenbarkeit des Glücks. blanvalet 2017

ISBN 978-3-7645-0575-2