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Der Sommer hat vier Wände

Was im Leben wirklich zählt

sommervierwändeEs ist Winter 1966. Freddi und ihr kleiner Bruder Arthur leben fast auf sich allein gestellt. Der Vater ist verschwunden, die Mutter depressiv und die Oma Flora verlässt ihr Zimmer nicht mehr. So ist es nicht verwunderlich, dass Freddi viel erwachsener denkt und oft auch handelt, als man es von einer 12jährigen erwarten würde.

Damit die Kinder nicht länger für sich selbst sorgen müssen, kommt Tante Noelle aus Paris angereist. Zunächst wirkt sie streng, kühl und abweisend. Doch bald schon merkt Freddi, dass hinter der harten Fassade eine viel weichere Tante stecken muss.

Noelle kommt schnell darauf, dass Freddi gerne fantasievolle Geschichten erzählt. Unter anderem behauptet Freddi, dass sie nicht zur Schule gehen kann, weil die geschlossen ist. Irgendwelche Eulen müssen dort brüten und die darf man ja nicht stören. Die Tante unterrichtet Freddi selbst, schließlich ist sie Lehrerin. So lernt Freddi bald richtig lesen und schreiben. Jetzt muss sie das Ende der Märchen aus ihrem dicken Buch nicht mehr erfinden, sie kann sie lesen. Ob das so besser ist, ist eine andere Frage.

Freddi, Arthur und Tante Noelle möchten gleichermaßen, dass es der Mutter besser geht. Doch das ist schwer, vor allem, weil es so kalt ist. Da kommen sie auf die Idee, den Sommer herbeizuholen. Gemeinsam richten sie den alten Schuppen als Sauna her. Das ist natürlich extrem exotisch – im Dorf zu dieser Zeit kennt das niemand.

Logisch, dass es bald zu lustigen, tragischen und auch schönen Begegnungen kommt. Die wunderbarste Begegnung ist India, die plötzlich mit ihrem Baby Lennon vor der Tür steht.

Das Buch ist ein wahrer Schatz! Ich habe lange kein so schönes Buch mehr gelesen und werde noch lange von den besonderen Stimmungen darin zehren. Die Figuren sind jede für sich Persönlichkeiten, niemals beschrieben sondern lebendig durch Dialoge und Taten, durch ihre individuellen Eigenschaften eben. Mit Freddi hat die Autorin Jenny Bünnig ein Mädchen erschaffen, das mit ihrer naiven Weisheit so manchen Erwachsenen zum Denken zwingt.

Fazit: Wer im Winter friert, kann in die Sauna gehen. Wer nicht rausgehen will, holt sich mit Blumenbildern die Farben ins Zimmer. So einfach ist es und so wunderbar, wenn man „Der Sommer hat vier Wände“ liest. Mein Buch des Jahres 2015!

Jenny Bünnig: Der Sommer hat vier Wände. LangenMüller 2015

ISBN 978-3-7844-3379-0

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Der Sommer hat vier Wände

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