Kinder- und Jugendbuch · Roman · Uncategorized

28 Tage lang


1943 im 978-3-499-21176-8.jpgWarschauer Ghetto.

Mira ist 16 und übernimmt die Verantwortung für ihre Familie. Der Vater hat sich umgebracht. Die Mutter blendet sich aus dem Leben aus. Der Bruder ist bei der Judenpolizei und interessiert sich offenbar nicht mehr für seine Familie. Mira will, dass es ihrer kleinen Schwester Hannah gut geht. Sie soll zu Essen haben und niemals auf der Straße betteln müssen, halb verhungert, wie andere Kinder. Doch das Ghetto ist überfüllt. Es gibt kaum zu essen. Immer mehr Menschen drängen sich und immer mehr sterben, liegen tot im Treppenhaus, auf der Straße …

Mira ist aber doch ein Mädchen von 16 Jahren, die sich fragt, ob sie ihren Freund Daniel liebt, der mit vielen anderen Kindern im Heim von Janusz Korczak lebt. Dem berühmten Reformpädagogen, der sich bedingungslos für seine Kinder einsetzt. Und sie ist berauscht von einem Kuss, mit dem ihr ein Junge hilft, als Schmugglerin auf der „anderen“ Seite nicht aufzufliegen.

Die SS beginnt, die Juden im Ghetto auszusortieren und abzutransportieren. Lastwagen. Güterzüge. Treblinka. Gaskammern. Tod. Mir schließt sich dem Widerstand an.

Zunächst empfand ich Safiers Sprache zu locker, zu jugendlich leicht für solch ein Thema. Doch ich merkte bald, dass es passte. Denn auch Mira war anfangs noch, trotz Angst und ständigen Begegnungen mit dem Tod, jugendlich und irgendwie unbefangend. Das änderte sich dann aber bald. Und so wurde es zusehens schwieriger, das Buch zu lesen. Denn jeder weiß, was in diesem Buch passiert, ist real. Wenn auch, wie Safier im Nachwort schreibt, die Figuren aus mehreren Schicksalen zusammengefasst sind, Mira nur eine Fiktion ist, die Geschichte ist wahr.

Zum Schluss hin fand ich es kaum auszuhalten, lesend zu erleben, wie Menschen sich ans Überleben klammern oder sich bewusst töten, weil sie nicht von den Nazis getötet werden wollen.

„Welcher Tod war schon sinnvoll?

Welches Leben?

Meins?

Nein.

Keins.“

(S. 372)

Dankbar war ich besonders für die wunderbar fantasievollen Geschichten von Hannah über die 777 Inseln. Dieser kleine Moment der Magie im Buch hilft Mira, nicht vor Trauer, Angst und Kummer verrückt zu werden und mir als Leser gab sie Zeit zum Aufatmen und auch zum Nachdenken.

Fazit: Ein bemerkenswert nahegehendes Buch in einer leichten, modernen Sprache, die für das Thema ungewohnt ist. Wer wissen will, wie ein junger Mensch es schafft, Mensch zu bleiben, auch wenn er lebt wie ein Tier, der sollte dieses Buch lesen!

Und noch ein Hinweis: Ich würde das Buch für geübte, interessierte Leser ab ca. 15 Jahren empfehlen. Lesbar ist es sicher früher, aber der Inhalt wühlt so sehr auf, dass man es vielleicht lieber begleitet, als Schullektüre lesen sollte.

David Safier: 28 Tage lang. Rowohlt 2015

ISBN 978-3-499-21176-8

Bei Amazon 28 Tage lang

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