Roman

Kinderseelenallein

Die Narben meiner Kindheit und wie ich ins Leben fand

https://i2.wp.com/www.patmos.de/images/978-3-8436-0728-5.jpgEs sind Schläge, bald schon erwartet, immer ausgehalten und viel zu oft ertragen. Schläge von Eltern, die ihre Kinder doch ganz offenbar auch lieben, sie umsorgen und sogar viele schöne Zeiten mit ihnen verbringen. Ann Helena Neudek erzählt ihre Geschichte in „Kinderseelenallein“ beeindruckend nahegehend und doch ganz ohne plakative Szenen und anprangernde Momente. Sie entschuldigt ihre Eltern nicht, sie berichtet nur, was passiert ist. Verstehen kann man diese Gewalt nicht, weder die Schläge noch die psychische Gewalt, das Heruntermachen, Kleinmachen.

Die Autorin hat eine ganz besondere Form des Schreibens gewählt. Sie erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die nicht zurecht kommt in ihren Leben. Obwohl sie doch ihren liebenden Mann Adrian an der Seite hat, der sie so sehr unterstützt. In vielen Rückblicken erhalten wir Leser einen Einblick, wie durch ein Schlüsselloch, in die Kindheit der Protagonistin und zugleich in ihre Seele.

Zwischen den Erzählteilen, die in wunderbar bildhafter und doch nicht verspielter Sprache geschrieben sind, hat die Autorin Gedichte eingefügt, mal nur kleine Zweizeiler, mal mehr. Alle aber passend, poetisch, berührend und oft auch erschreckend nahegehend.

Hier z.B. schreibt sie (S.54) über ihre Schwester, die sie mal als Konkurrentin empfand und die doch immer fremd blieb:

Ida und ich sind uns nie begegnet.
Nur aneinander vorbeigerauscht.

Auf S. 55 dann fortsetzend:

Ohne Mutter. Ohne Vater.
Kindersselenallein.

Wer selbst Schläge, verbale Gewalt, Psychoterror … in seiner Kindheit erlebt hat, findet sich in diesem Buch wieder. Aber auch, wem solche Extreme erspart blieben, wird viele Momente finden, die ihm nahe sind. Denn allein das Erinnern an die Kindheit, das Filtern, die doch sehr einseitige Perspektive, ist uns allen gemein.

Fazit: Bewegend und poetisch zugleich. Absolut lesenswert, denn die Autorin schafft es, ihre Geschichte so zu erzählen, dass man sich einfühlen kann und doch weit genug weg ist, um das Geschehene auszuhalten.

Ann Helena Neudek: Kinderseelenallein. Patmos 2016

ISBN 978-3-8436-0728-5

Bei Amazon: Kinderseelenallein – Die Narben meiner Kindheit und wie ich ins Leben fand

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Ein Kommentar zu „Kinderseelenallein

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