Roman

Freunde

bbf11ac527Was ist Freundschaft? Was macht sie aus, was hält die Freunde zusammen? Wie entwickelt sich jeder Einzelne weiter und was bleibt übrig von den alten idealistischen Ideen?

Die fünf Freunde Pio, Gina, Joël, Bastian und Vincenz wollen die Welt verändern, solidarisch sein. Sie schließen sich einer Gruppe an, die in Nicaragua beim Wiederaufbau des Landes mithilft. Doch es ist anders als gedacht, anders als erhofft und schließlich kommt es zu einer Auseinandersetzung, bei der Vincenz verschwindet. Die vier übrigen Freunde finden sich wieder, fliegen zurück und können nicht vergessen.

In ihrer Erinnerung mystifizieren sie die Zeit in „Nica“, im ständigen Hin und Her, wer eigentlich wen verraten hat, was Vincenz selbst mit seinem Verschwinden zu tun hat. Mal ist er Held, mal Täter. Jeder der Vier hadert irgendwie mit seinem Schicksal und tut sich schwer, seinen Weg zu gehen. Sie alle können die Erinnerungen nicht loslassen und brauchen einander, um sich gegenseitig aufzubauen.

Mir ist der Aufbau des Buches manchmal zu verschachtelt, verworren. So habe ich lange gebraucht, um die Charaktere auseinanderzuhalten. Leider sind sie mir erst im letzten Drittel so nah gekommen, dass ich wissen wollte, was weiter geschieht und mich mit ihnen verbunden gefühlt habe. Erst da hat mir das Buch richtig gefallen und ich habe verstanden, was der Autor ausdrücken will (zumindest vermute ich das). Bis dahin habe ich gewartet, dass irgendwie etwas vorangeht. Die Geschichte ist über sehr lange Zeit eine Beschau, ein Blick auf die vier Freunde von außen bzw. meist aus der Sicht von Pio.

Ich bin großer Fan der Bücher von Andrea de Carlo. Für mich ist er der Meister in Sachen Beziehungen, denn er schafft es, feinste Stimmungen zwischen Menschen darzustellen, mit wenig Action, wenigen Worten und doch stets großen Aussagen. Dagegen verblasst das Buch „Freunde“ leider. Trotzdem finde ich den Roman sehr lesenswert. Besonders für Leserunden eignet er sich gut, wenn die Leser sich miteinander austauschen, über das, was sie im Roman erkennen.

Fazit: „Freunde“ ist manchmal etwas zu unscharf und die Figuren sind zu wenig voneinander abgegrenzt, sodass man länger braucht, um sie auseinanderzuhalten. Doch die Geschichte, die die fünf Freunde verbindet, ihr Beziehung bzw. Abhängigkeit voneinander ist fasziniert und gibt Anlass, noch länger darüber nachzudenken.

Andreas Sommer: Freunde. LangenMüller 2016

ISBN: 978-3-7844-3403-2

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