Roman

Die Holunderschwestern

9783453419230_coverEine Restauratorin, die ihr Familiengeheimnis aufdeckt. Eine Köchin, die versucht, im „Dritten Reich“ zu überleben und zu lieben.

So ungefähr könnte man die Geschichte zusammenfassen. Katharina bekommt von einem englischen Herren alte Tagebücher, die dem Kochbuch ihrer Oma sehr ähneln. Tatsächlich sind es die Aufzeichnungen ihrer Großmutter aus den Jahren nach dem „Großen Krieg“ und bis zum zweiten Weltkrieg. Wenn sie nicht in den Tagebüchern liest, restauriert Katharina alte Möbel. Zufällig gelangt sie an eine alte Ladeneinrichtung, die ein Vorfahr von ihr geschreinert hat. Nach und nach kommt sie dem Familiengeheimnis auf die Schliche. Ganz nebenbei verliebt sie sich noch in den Überbringer der Tagebücher, der zufälligerweise Kunstverständiger ist und den „Schatz der Großmutter“, einen echten Klee, begutachten lassen kann.

Der zweite Erzählstrang behandelt die Geschichte der Großmutter Fanny, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts aufmacht, in der Stadt München ihr Glück zu suchen. Ihre Zwillingsschwester hängt an ihr wie eine Klette, eifersüchtig und neidisch. Allein in der Stadt muss sich Fanny mühsam ein einigermaßen erträgliches Leben erkämpfen. Aber weil sie gut kochen kann, gelingt es ihr. Dazu kommt natürlich auch noch viel Glück, denn sie trifft schon im Zug nach München die richtigen Leute – Alina, die Tochter einer wohlhabenden jüdischen Familie…

Für mich war es während des gesamten Romanes rätselhaft, warum mir zwei Geschichten erzählt wurden. Denn die Handlung in der Gegenwart rundum Katharina, erschien mir meist wie eine Überleitung zwischen den Tagebuchseiten. Die Autorin beschreibt darin gerne ausführlich die Techniken der Restauratorin, die den Roman in keinster Weise voranbringen und den Lesefluss hemmen. Gut recherchiert, aber uninteressant. So plaudert die Autorin auch manches Detail über die Figuren aus, das man als Leser nicht wissen, sondern spüren will. Die Biografie der Figuren sollte natürlich gut ausgedacht sein, aber muss sie aufgelistet werden, wie in einem Lebenslauf? Holprige Dialoge mit teilweise schrecklich steifer Sprache haben mich sehr gestört.

Die Geschichte der Fanny hätte als einziger Strang schon genug Potential gehabt, finde ich. Ein bisschen flüssiger erzählt, sprachlich etwas besser ausgearbeitet und schließlich noch ein wenig spannender gestaltet, wäre ich begeistert von diesem Roman. Denn die Figur der Fanny und auch die ihrer Zwillingsschwester sind wirklich interessant. Allerdings finde ich das „Familiengeheimnis“ nicht besonders dramatisch. Für mich erscheint es unrealistisch, dass es in der Gegenwart als solch ein Geheimnis gehandhabt wird. Warum? Es war schrecklich, was den Zwillingen widerfahren ist, aber warum muss es heute noch so verschwiegen werden?

Fazit: Die Geschichte in der Vergangenheit hat viel Potential, das leider nicht genutzt wurde. Für mich fehlen dem Roman wirkliche Spannungsbögen und vor allem ein echter Konflikt in der Gegenwart, der diesen Erzählstrang rechtfertigt.

Teresa Simon: Die Holunderschwestern. Heyne 2016

ISBN 978-3-453-41923-0

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