Roman

Die relative Unberechenbarkeit des Glücks

9783764505752_CoverEthan ist 12 und scheint bereits ein Physikgenie zu sein. Er sieht Wellen und denkt wie ein Wissenschaftler. Damit eckt er natürlich an und selbst sein einziger Freund stellt sich irgendwann gegen ihn. Irgendwann kriegt er raus, dass sein Vater etwas furchtbares mit ihm angestellt haben muss…irgendetwas Schlimmes war passiert, als Ethan ein Baby war. Doch was und warum hat es seine Mutter ihm nie erzählt?

Die Mutter, Claire, war Ballerina und stand vor ihrer größten Chance, als „Es“ passierte. Seitdem ist sie für Ethan da, allein, ohne ihren Mann Mark, den sie so sehr liebte.

Mark soll seinem Vater einen letzten Wunsch erfüllen und ihm den Enkel ans Sterbebett bringen. Doch Claire erlaubt es nicht, sie will nicht, dass die alten Wunden aufbrechen.

Alles ändert sich, als Ethan eine Zeitmaschine baut…

Antonia Hayes Debütroman ist bis ins kleinste Detail ausgefeilt und außerordentlich gut recherchiert. Ob ein Physiker alle Erläuterungen und Behauptungen im Buch unterschreiben würde, weiß ich nicht, doch mir als Laien erscheinen sie alle glaubwürdig. Die Autorin schafft es, eine ausgewogene Sprache zwischen der Welt der Wissenschaft im Kopf des Jungen Ethan und seinen Gefühlen hinzubekommen, die sehr leicht zu lesen und vor allem glaubwürdig ist. Auch wenn Claire, die Mutter des Jungen, oder Mark, der Vater erzählen, kann man sich als Leser in sie hineinversetzen.

Die Sache mit dem Schütteltrauma finde ich stellenweise etwas zu „amerikanisch“ dramatisiert. Dass ein Schütteltrauma schrecklich ist steht außer Frage. Doch wird im Buch immer wieder von einem Verbrechen gesprochen, als hätte der Vater es geplant. Andererseits beleuchtet die Autorin sehr genau die Gefühlswelt des Vaters, der überfordert ist mit der Situation, ein immerfort schreiendes Baby zu betreuen, während er eigentlich an einem Text arbeiten muss. Doch weder bei der Gerichtsverhandlung noch bei den Erzählsträngen der Mutter wird jemals erwähnt, dass es eine Affekthandlung war, keine geplante oder mutwillige Tat. Der Vater liebte seinen Sohn und ist ausgetickt – das entschuldigt nicht seine Tat, macht sie jedoch nachvollziehbarer und sollte eine andere Art von Aufarbeitung nach sich ziehen. Der Vater hätte beispielsweise eine Therapie machen sollen, um seine Impulskontrolle besser in den Griff zu kriegen…

Fazit: Die faszinierende und spannende Geschichte eines Jungen, der alles tun will, um seinen Vater kennenzulernen, damit er verstehen kann, was mit ihm passiert ist und warum er so außergewöhnliche Fähigkeiten hat.

Antonia Hayes: Die relative Unberechenbarkeit des Glücks. blanvalet 2017

ISBN 978-3-7645-0575-2

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