Roman

Das Mädchen im roten Kleid

rotes kleid

Eden Valentine kann nähen und hat ein besonderes Gefühl für stilvolle Mode. Als Tochter eines Schneiders, der in Londons Schneiderwerkstätten wohl bekannt ist, strebt sie nach ihrem eigenen Geschäft. Aber sie ist auch brave Tochter und arbeitet für und mit ihrem geliebten Vater.

Es ist die Zeit kurz nach dem ersten Weltkrieg und die meisten Männer, die überlebten, sind zurückgekehrt. Manche aber wissen nicht, wohin sie gehören oder haben keine Angehörigen mehr. Einer davon ist Mr. Jones, so benannt von den Schwestern des Krankenhauses. Er hat zum Glück keine körperlichen Verletzungen, kann sich aber nicht mehr an die Zeit vor dem Krieg erinnern.

Soviel zu den beiden Protagonisten des Romans. Wie in einem sogenannten Frauenroman üblich, „stolpern“ die beiden bald übereinander. In diesem Falle treffen sie sich im Sanatoriumsgarten und sind beide sehr voneinander angetan.

Bald entwickelt sich eine intensive Liebesgeschichte, die durch einen Unfall eine plötzliche (wenn auch sehr vorhersehbare) Wendung nimmt. Um die anschließenden Wirrungen aufzulösen, braucht die Autorin weitere ca. 350 Seiten.

Ich wollte das Buch lesen, weil ich mich für die Zeit um 1920 interessiere und gerne nähe. Von beidem habe ich nicht sehr viel erfahren. Natürlich wird erwähnt, welch Schicksal viele Soldaten erlitten haben und dass es für das gemeine Volk Entbehrungen gab. Kutschen werden erwähnt und Kaminöfen. Ein wenig von der Emanzipationsbewegung der Frauen fließt ein, weil die Hauptfigur, Eden, sich frei entfalten will. Aber so richtig nahe ist mir die Zeit nicht gekommen, da die Figuren sprechen wie heute und auch die Erzählstimme sehr zeitneutral ist. Vom Nähen habe ich nur mitbekommen, dass es damals gute Stoffe gab, viel Pelz und Mode für die oberen Schichten wichtig war. Schade.

Um es kurz zusammenzufassen: Der Roman ist unterhaltsam für Leserinnen, die wenig Wert auf Schreibstil und handwerklichen Feinschliff legen. Es wimmelt von Stereotypen und Klischees (natürlich ist der tolle Mann groß, dunkelhaarig und sehr stark. Ach ja und natürlich enorm gutaussehend). Manchmal war ich nah dran, das Buch beiseite zu legen, aber dann hoffte ich doch auf eine interessante Wendung. Leider sind sämtliche Begebenheiten und Lösungsansätze eher Zufälle und vorhersehbar.

Fazit: Wer einfache, absehbare Liebesgeschichten mag und sich entspannt in 539 Seiten vertiefen will, findet hier alles Nötige vor. Wer mehr über die Zeit um 1920, die Menschen damals und auch das Schneiderhandwerk erfahren will, sollte sich andere Bücher aussuchen.

Fiona McIntosh: Das Mädchen im roten Kleid. blanvalet 2018

ISBN 978-3-7341-0569-2

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