Hörbuch · Kinder- und Jugendbuch · Selber machen

Verloren in Eis und Schnee

9783837143386_CoverDie unglaubliche Geschichte der Geschwister Danilow

Die Zwillinge Nadja und Viktor aus Leningrad müssen mit allen anderen Kindern aus der Stadt weit weg fliehen. Die Front rückt immer näher und so werden alle Kinder in Züge verfrachtet und in den Osten gefahren. Nadja und Viktor bekommen von ihrem Vater Hefte, in die sie abwechselnd schreiben sollen. Ein gemeinsames Tagebuch soll es werden. Und das ist gut so, denn die beiden erleben den Krieg und seine Auswirkungen hautnah und überleben nur knapp. Weil sie beide schon zu Beginn der Reise getrennt werden, sind es eigentlich zwei Geschichten, die von Gabrielle Pietermann und Nicolás Artajo  sehr eindrücklich gesprochen werden. Es ist erschreckend, was den beiden passiert und wie sie lernen, mit Gefahren, Not und Hunger umzugehen. Viele kleine Details machen die Geschichte glaubwürdig, nachvollziehbar und auch sehr beängstigend. So müssen beide Kinder (sie sehen sich aber nicht als Kinder, sind sie doch schon 13) viele Tote sehen und erleben, wie Menschen sterben. Zuerst sind sie schockiert, doch nach und nach nehmen sie es einfach hin.

Einige Handlungen klingen zwar unlogisch, scheinen jedoch authentisch in Anbetracht der Ausnahmsituationen. Wie z.B. dass Kinder einen deutschen Soldaten gefangen nehmen oder dass sie in einem Gulack eingesperrt werden, obwohl sie Kinder sind und nicht mal dort angekündigt wurden.

Etwas verwirrend ist die dritte Persepktive des  Romans. Oberst Smirnow (gesprochen von Reinhard Kuhnert) sagt Kapitel an (offenbar aus den Tagebüchern) und berichtet zwischendurch über die „Verfehlungen“ der Kinder und ihre Anklagepunkte. Es ist nicht ganz nachzuvollziehen, was es damit auf sich hat. Nur am Ende gibt es eine kleine Erleuchtung, die ich hier nicht vorwegnehmen will.

Fazit: Ein sehr spannendes Hörbuch von wunderbaren Sprechern gelesen. Die Altersempfehlung ab 12 Jahre würde ich nur für Kinder bestätigen, die sehr reflektiert sind und sich bereits mit Krieg, Tod und Ängsten auseinandergesetzt haben. Es ist aber sehr wichtig, über das Buch zu sprechen, da viele verängstigende Szenen vorkommen.

Davide Morosinotto: Verloren in Eis und Schnee. mp3 Hörbuch, cbj audio 2019

ISBN 978-3-8371-4338-6

Selber machen · Und mehr...

Schluss. Mit. Plastik.

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Was du konkret tun kannst, um den Wahnsinn zu stoppen.

30 Zwei-Minuten-Lösungen

Klimawandel, Umweltverschmutzung, Artensterben, Müll…Müll…Müll…

Es ist unglaublich, wie durch unsere Schüler, die freitags streiken, endlich in jedem Haushalt ankommt, dass wir selbst etwas tun müssen, um unsere Erde zu schützen und vielleicht zu retten. Auch dieses blaue Taschenbuch (blau wie Hoffnung?) trägt dazu bei.

Zunächst ist der erste Eindruck positiv, denn das Buch fühlt sich an, als wäre es aus Recyclingpapier hergestellt. Wobei das vermutlich täuscht, denn das „Papier aus verantwortungsvollen Quellen“ ist weiß gebleicht und nur recht grob strukturiert (als wäre es nicht holzfrei). Aber hier zählt ja vor allem der Inhalt.

Und der ist genauso, wie auf dem Titel versprochen. Wer bisher dachte: „Was bringt es schon, wenn ich kleiner einzelner Mensch meine Chipstüte nicht in den offenen Müllkorb im Park werfe?“ wird schnell eines Besseren belehrt. Der Autor erklärt, dass genaus dieses eine Teil, wird es richtig entsorgt oder besser erst gar nicht gekauft, dann nicht dazu führt, dass ein Tier daran erstickt oder es in tausende Microplastikteilchen zerfällt und im Wasser und Boden landet (und dann übrigens irgendwann in unseren Mägen). Die Beispiele im Buch sind sehr verständlich und wirksam.

Martin Dorey engagiert sich mit einer Aktion, die sich #2minutebeachclean nennt. Die Idee dahinter ist, wenn jeder Mensch zwei Minuten investiert, um Müll einzusammeln (im Buch geht es um Strände), würden unmengen Müll nicht im Meer landen. Die Idee ist so anregend, dass man direkt motiviert ist, überall Müll einzusammeln. Weil es mehr als nur Müllsammeln gibt, um Plastik und Müll zu vermeiden, gibt es auch viele weitere Ideen dazu. Mit dem #2minutesolution tritt man ein in die Comunity und erfährt mehr darüber.

Viele Anregungen im Buch lassen sich direkt umsetzen. Andere erscheinen bei näherer Betrachtung vielleicht nicht ganz fertig gedacht, sind aber trotzdem einen Schritt weiter. Wie z.B. lieber Papiertüten zu nutzen, statt Plastiktüten. Hier weiß man heute, dass der ökologische Fußabdruck der Papiertüten sehr groß ist, u.a. weil man sie meist nur selten benutzen kann. Es gibt aber auch den Tipp, Stoffbeutel zu verwenden und dazu gleich noch ein Tipp zu einer Aktion: Die Morsebag-Community näht Stofftaschen aus Resten und verschenkt sie. Eine super Idee, wie ich finde (ich überlege schon länger, mich mal vor einen Supermarkt zu stellen und dort Taschen zu verschenken, die ich aus alten Klamotten nähe, habe mich aber noch nicht getraut). Hier der Link: www. morsbags.com/

Fazit: Ein supertolles und sehr praktisches Buch. Es ist schnell durchgelesen und bietet viele lebensnahe und direkt umsetzbare Anregungen, um Plastik zu vermeiden. Ideal auch für Familien mit Kindern, für Lehrer*innen und Erzieher*innen.

Mein Hörtipp dazu: A&P mit Plastik (sie hatten schon vor ca. 35 Jahren eine Ahnung davon…)  https://youtu.be/xSu9n0zD0mg

Martin Dorey: Schluss. Mit. Plastik. Heyne 2019

ISBN 978-3-453-60509-1

Roman

Den Sommer kannst du auch nicht aufhalten

Ein Mden sommerann, der seiner großen Liebe nachtrauert. Ein Junge, der eigentlich gar nicht mehr leben sollte, weil er so schwer behindert ist, dass ihm nur 15 Jahre prophezeit wurden. An dessen 16. Geburtstag schleppt ihn der Mann auf einen Berg, um ihm von der großen Liebe zu erzählen. Denn diese ist die Mutter des Jungen.

Das schmale Büchlein mit 138 relativ dicken und locker beschriebenen Seiten eignet sich gut für eine Zugreise. Es liest sich flüssig und regt zum Träumen an. Ein bisschen schwierig ist es schon, dem Erzähler zu folgen und das Interesse an seiner Geschichte zu behalten. Die Gegenwart, in der er den Jungen mitschleppt und seine Behinderung hautnah erlebt, ist wesentlich spannender und auch sehr amüsant.

Fazit: Wenn ein Mann von der großen Liebe schwärmt und sich dabei um sich selbst dreht. Eine Geschichte die man mag oder auch nicht. Das Buch ist kurz genug, um es auszuprobieren.

Dimitri Verhulst: Den Sommer kannst du auch nicht aufhalten. Oktaven 2019

ISBN 978-3-7725-3010-4

Kinder- und Jugendbuch

Müll

Raidt_Muell_UMSCHLAG_81215.inddAlles über die lästigste Sache der Welt

Müll trennen oder Müll vermeiden? Ressourcen schonen, nachhaltig leben … Themen, die nicht erst sein Greta Thunbergs Schulstreiks für den Klimaschutz #fridaysforfuture in Schulen und zuhause in den Familien relevant sind. In diesem sehr ausführlichen und übersichtlich strukturierten Buch mit vielen, gut veranschaulichenden Illustrationen lernen Grundschulkinder und ältere Menschen alles Wichtige über Müll.

Das Besondere ist, dass hier auch auf unser Verhalten eingegangen wird: Was können wir konkret tun, um Müll zu vermeiden? Außerdem gibt es Beispiele von Menschen, die umweltbewusst und nachhaltig leben. Dabei auch viele Kommentare von Menschen, die das nicht verstehen. Das bietet eine gute Diskussionsgrundlage und regt an, über das eigene Verhalten nachzudenken. Am Ende des Buches gibt es dann auch einige Ideen, wie man alte Sachen sinnvoll verwerten kann.

Fazit: Alles über Müll ist es vermutlich nicht, aber schon ein großer und kritischer Blick auf das „Vermüllen“, das wir Menschen verursachen. Als Infobuch ist es auch  für Erzieher/innen in Kindergärten gut geeignet.

Gerda Raidt: Müll. Beltz & Gelberg 2019

Kinder- und Jugendbuch

Der Hamster Radel

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Der Hamster Radel lebt im Schaufenster einer Apotheke. Den ganzen Tag läuft er in seinem Rad. Es geht ihm nicht gut dort im Schaufenster. Er bekommt wenig zu essen und das riecht auch noch nach Medizin.

Als Radel durch ein Unglück samt Laufrad aus dem Fenster in die Freiheit kullert, ist er trotzdem sehr erschrocken. Schließlich weiß er nicht, was ihn in der Freiheit erwartet. Vielen anderen Hamstern geht es ähnlich schlecht und sie schließen sich Radel an…

Luis Murschetz (Autor und Illustrator vom Maulwurf Grabowski) erzählt hier eine fantasievolle Geschichte mit leider sehr wahrem Kern, vom kleinen Tier, das eingesperrt und vernachlässigt wird. In seinem Buch gibt es ein relativ offenes, jedoch positives Ende. Das regt zum Nachfragen und Weitererzählen an. Auch die Bilder bieten viel Raum zum Entdecken und Fantasieren.

Fazit: Eine traurig abenteuerliche, schöne Geschichte, fantasievoll erzählt und wunderbar illustiert. Ideal für Kinder von ca. fünf bis acht  Jahren.

Luis Murschetz: Der Hamster Radel. Diogenes 2019

ISBN 978-3-257-01249-1

Schule

Das ist Waldorfschule!

Sieben Kernpunkte einer lebendigen Pädagogik

waldorf.png„Waldorfschule, das ist doch so eine private Schule für Kinder von Ökos, die zu viel Geld haben.“ Oder etwas nicht? Dass Waldorfschule viel mehr bedeutet als ein Konzept, das auch auf Ökologie wert legt, zeigt dieses Buch sehr anschaulich. Zunächst erläutert der Autor Wolfgang Held, selbst Waldorfpädagoge, grundlegende Erkenntnisse über Bildung und schließlich die „Sieben Kernpunkte der Waldorfpädagogik“. Sofort merkt man seine positive Haltung zum Lernen, gemeint ist das selbstbestimmte und auf eigenen Antrieb basierende Lernen. Außerdem zeigt der Autor auf, wie wichtig das Verhältnis von Lehrern und Schülern ist und was es bewirkt, wenn beide sich positiv begegnen.

In den weiteren Kapiteln geben Waldorfpädagogen Einblick in ihren praktischen Alltag. Die Lehrer*innen berichten sehr detailliert und mit viel Begeisterung, was es bedeutet, an einer Waldorfschule zu unterrichten.

Fazit: Hier erfährt man nicht nur Grundsätzliches über Waldorfpädagogik an Schulen, sondern erhält einen sehr anschaulichen Einblick in den Alltag von Lehrern und Schülern.

Wolfgang Held: Das ist Waldorfschule! Verlag Freies Geistesleben 2019

ISBN 978-3-7725-1419-7

Schule · Und mehr...

Ich bin Erzieher*in

Superkräfte versus berufliche Realität

erzieherinAls ich mich entschied, eine Ausbildung zur Erzieherin zu machen, hatte ich lange überlegt, was ich beruflich gerne machen will. Mir war es wichtig, mit Menschen zu arbeiten, am liebsten mit Kindern oder Jugendlichen. Ich wollte etwas weitergeben, meine vielseitigen Interessen und Begabungen nutzen, um sie zu teilen. Ich wollte nicht in ein System eingeschlossen werden, das mir vorgibt, wie ich zu handeln habe. Ich wollte auch nicht ständigen Rangeleien zwischen Kolleginnen (damals ausschließlich weiblich), Träger, Gemeinde usw. ausgesetzt werden. Doch letztendlich begann der Stress schon in der fünfjährigen Ausbildung. Denn meine Vorstellung von Pädagogik und Erziehung passte oft nicht zu den dogmatischen Ideen der Ausbilder und Fachkräfte in den Einrichtungen. Die Realiät war eine ganz andere als meine Vorstellung.

Die Autorin Ursula Günster-Schöning beginnt ihr Buch mit dem Kapitel „Erzieherin wird man aus Leidenschaft“. Im weiteren geht sie auf den Beruf und seine Herausforderungen ein. Sie erklärt, wie wichtig eine positive Haltung gegenüber Kindern bzw. Menschen an sich ist. Das Verständnis von Erziehung hat sich in letzter Zeit immer mehr verändert und so sind auch die Aufgaben von Erzieherinnen weiter gesteckt. Wo früher Erziehung noch vor allem die Vermittlung von Werten und Normen beinhaltete, gilt es heute, Kindern die Möglichkeit zur Selbstentfaltung zu bieten und sie in ihrem eigenen Lernen zu unterstützen.

Fazit: Dieses Buch ist nicht, wie der Titel vielleicht suggeriert, ein Ratgeber für ausgepowerte Erzieherinnen, sondern vielmehr eine Orientierungshilfe für die praktische Arbeit. Es zeigt Wege raus aus dem alten Trott hin zu einer positiven wertschätzenden Haltung und einem aktiven Miteinander.

Ursula Günster-Schöning: Ich bin Erzieher*in. Vandenhoeck & Ruprecht 2018 (2. neu überarbeitete Auflage)

ISBN 978-3-525-70198-0