Gesellschaft · Kinder- und Jugendbuch

Ching, Chang, Stop

Die Autorin und Illustratorin Dian Gohring kommt aus Bayern. Weil sie nicht „typisch bayerisch“ aussieht, wird sie ständig mit ihrem Äußeren konfrontiert. Es belastet sie, wenn andere sie nicht als gleichwertig betrachten. Alltagsrassismus findet oft unbewusst statt. Doch verletztend ist er genauso wie bewusste rassistische Äußerungen und Handlungen.

Die Autorin schildert das Leben eines Kindes, einer Jugendlichen und Erwachsenen aus der eigenen Perspektive und Erfahrung. Dabei gibt sie konkrete, oft erschütternde Beispiele, wie Kommentare von Lehrern oder Kindern wider. Sie zeigt aber auch Möglichkeiten, sich als Betreoffene*r zu wehren und Gefühle zuzulassen, bzw. zu äußern. Die Illustrationen, teils eigenständige Bilder, vermitteln einen Eindruck der Stereotype mit denen die Autorin konfrontiert wurde, aber sie zeigen auch anschaulich verschiedene Situationen und Gefühlswelten.
Fazit: Alltagsrassismus, kulturelle Aneignung und Diskriminierung sind Themen, die bereits in Kita und Grundschule behandelt werden müssen. Noch besser wäre es, wenn wir darüber gar nicht mehr sprechen müssten. So eigenet sich das Buch auch und ganz besonders für Erwachsene, die sich bewusst machen wollen, wie oft sie selbst andere durch unbedachte Worte und Handlungen verletzen und belasten.

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Zum Glück zu Fuß

Begegnungen auf der Suche nach dem guten Leben

Die Autorin Petra Bartoli y Eckert lernte immer wieder Menschen kennen, die besonders in sich ruhten und so zufrieden wirkten. Sie fragte sich, wie es gelingt, ein glückliches Leben zu führen und beschloss, nachzufragen. Sie suchte Menschen aus, die sie bereits kennengelernt hatte aber auch welche, die sie noch nicht kannte. Die Interviews sollten in Bayern, Baden-Württemberg und Österreich an verschiedenen Orten stattfinden und die Autorin entschied, sich zu Fuß auf den Weg zu machen.

15 Menschen interviewt sie für dieses Buch. Dabei fragt sie gar nicht viel, sondern hört zu, gibt Impulse oder fast zusammen. Es ist offensichtlich, dass die Autorin sich gut vorbereitet hat und geübt darin ist, aktiv zuzuhören. Die Antworten sind entsprechend tiefgründig und vielseitig aber auch mal lustig oder ganz einfach. Genau wie die Menschen selbst. Da gibt es die in sich ruhenden, spirituellen Menschen oder welche, die mithilfe von Ritualen, Bewegung oder Bauchgefühl ihre Zufriedenheit finden. Aber auch das ältere Paar, das so viel Zufriedenheit ausstrahlt. Ihre Zauberformel ist das gemeinsame Arbeiten, das Tun, sich vertrauen, aufeinander achten und miteinander reden.

Petra Bartoli y Eckert gibt aber nicht nur die Audioaufnahmen der Interviews wieder, sondern lässt uns auch an ihren Gedanken, Emotionen und Erkenntnissen teilhaben. So merkt sie beispielsweise, dass sie durchs Gehen wesentlich ausgeglichener ist als an langen Tagen im Büro. Das Gehen ist der rote Faden des Buches, denn sie beschreibt auch ihre Wege zu den Interviewpartnern, die nicht immer einfach sind. Sie entdeckt, dass es unterschiedliche Arten des Gehens gibt: bewusst oder ganz nebenbei, während man telefoniert oder Musik hört. Als sie sich ganz auf das Tun – also hier das Gehen – einlässt, bemerkt sie um sich herum Menschen, Tiere, Pflanzen, Gerüche, Farben und Geräusche. Das macht sie zufrieden.

Fazit: „Jeder ist seines Glückes Schmied“, könnte das Resümee dieses interessanten und impulsreichen Buches sein. Geschrieben von einer Autorin, die Menschen zuhört und dem Glück des Lebens ein großes Stück entgegengewandert ist. Ich freue mich auf die Fortsetzung!

Petra Bartoli y Eckert: Zum Glück zu Fuß. Ueberreuter 2022

ISBN 978-3-8000-7788-5

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Unsere Erde braucht dich

Was du tun kannst, um Müll zu vermeiden

Woher kommt eigentlich der ganze Müll und wie war das früher? Mit sehr klaren Bildern und humorvollen Texten, die treffend übersetzt wurden, erklärt der Autor Hintergründe und Zusammenhänge. Mit Beispielen aus der Lebensrealität von Kindern werden zahlen und fakten verständlich. Schließlich gibt es aber zu allem Müll-Übel auch ganz konkrete Anregungen, selbst etwas zu tun:

  • Vermeide Müll!
  • Verwende wieder!
  • Recycle!
  • Aus Alt mach Neu!
  • Misch dich ein!

Auf der letzten Seite erklärt der Autor abschließend noch einmal, warum es so wichtig ist, die Erde zu schützen: Sie ist unser einzigen Zuhause!

Fazit: Kauft dieses Buch, lest es selbst und mit Kindern und handelt!

Philip Bunting, U. Hauswaldt (Übers.): Unsere Erde braucht dich. Penguin-Junior 2022

ISBN 978-3-3283-0048-9

Gesellschaft

Fair gehandelt?

Wie unser Konsumverhalten die Gesellschaft spaltet

Das wir Menschen mit unserem Wunsch nach immer mehr der Umwelt schaden, ist bekannt. Was aber bedeutet eigentlich Konsum, wie kommt es zu diesem Verhalten der Menschen und seit wann ist das so? Die Autorin Elizabeth Currid-Halkett hat sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt und „gilt als eine der einflussreichsten Vordenkerinnen der Ökonomie und Soziologie von Kunst, Kultur und Konsum“ (so lautet der Vitatext im Umschlags). Entsprechend wissenschaftlich und tiefgründig ist der Inhalt des Buches. So beginnt die Autorin mit der Geschichte des Konsums (in der römischen Gesellschaft der Antike), zeigt, wie Menschen ab 1920 Konsum für sich entdeckten und endet mit dem Konsumverhalten und den Klassen in den USA von heute.

Mit Konsum lässt sich Reichtum zur Schau stellen. So konnten und können Menschen zeigen, was sie haben. Das ahmt die breite Masse nach, um dazuzugehören und sich besser zu fühlen. So kommt es zum Konsum von billigen „Fake-Waren“, die nur vorgaukeln, besser, teurer und wertvoller zu sein.

Dann gibt es die Eliten, die nicht einfach nur Waren kaufen, sondern „erlebnisorientierten Geltungskonsum“ leben, indem sie reisen, sich entspannen, das Leben und Essen genießen oder sich eine Putzfrau leisten. Auch die Mutterschaft ist der Autorin nach im Kreis des Konsumverhaltens aufgenommen. So gilt Mutterschaft und Stillen mancherorts als „Leistungsmerkmal“, es gilt, das Kind möglichst früh in möglichst exotische Kurse zu schicken oder bereits im Mutterleib zu fördern.

Heute schwimmen Menschen auch gerne in der Bio-Ökowelle und kaufen besonders hippe Produkte, um zu demonstrieren, wie toll sie vegan leben. Letztendlich sind sie Opfer ihres Konsumverhaltens und tragen zu Veränderungen in der Gesellschaft bei.

Bei all den wirklich interessanten Hintergründen zum Konsumverhalten fällt doch immer wieder auf, dass es Unterschiede zwischen der amerikanischen und deutschen Gesellschaft gibt. Doch was etwas irritiert ist der Titel „Fair gehandelt?“, der suggeriert, dass hier ein Buch zum Konsum im Bezug auf Ökologie und soziale Gerechtigkeit bei Produktion und Handelsketten vorliegt. Der Titel trügt, da es sich hier vielmehr, laut Klappentext, um die Auswirkungen auf die Gesellschaft und nicht auf die Umwelt oder den Handel dreht.

Fazit: Ein sehr interessantes Buch über die Hintergründe des Konsumverhaltens. Zahlreiche anschauliche Beispiele und Einblicke in viele Lebensbereiche zeigen, wie es um uns und unsere Kaufmentalitäten bestellt ist. Eher wissenschaftlich als unterhaltend, geht es mehr um die Gesellschaft als um den fairen Handel.

Elizabeth Currid-Halkett: Fair gehandelt? btb 2021

ISBN 978-3-442-77034-2