Hörbuch · Kinder- und Jugendbuch

P.S. I still love you

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Lara Jean, 16 Jahre, ist verknallt in Peter. Mit ihm hat sie einiges erlebt, was man in der vorherigen Folge, dem ersten „Band“ von Jenny Han erfahren kann. Da ich dieses Vorwissen nicht hatte, war es etwas schwierig, anfangs der Erzählung des Mädchens zu folgen.

Lara Jean erzählt ihre Geschichte recht nachdenklich und, wie in einem Tagebuch, sehr subjektiv. So bekommt man einen intensiven Einblick in ihr Leben mit Schwestern und Vater, ohne Mutter (die offenbar verstarb) und mit dem Freund Peter. Sie hatte eine beste Freundin, die vorher mit Peter zusammen war und jetzt so eine Art beste Feindin ist. Als im Internet ein Video auftaucht, das zeigt, wie Lara Jean mit Peter im Whirlpool knutscht, so offensiv, dass es wirkt, als hätten sie Sex, ist Lara Jean ziemlich verzweifelt. Allerdings scheint es mir, als wäre sie irgendwie ganz schön gelassen. Denn sie hätte schließlich sofort ihren Vater informieren und damit auch Anzeige erstatten können. Tut sie aber nicht.

Die Geschichte plätschert dahin, ohne groß ins Geschehen hineinzuziehen. Für junge Mädchen bietet sie sicher einige interessante Aspekte, wie die häufigen Überlegungen, ob jemand schon Sex hatte oder nicht. Komisch ist, dass Lara Jean so gar keine Freundinnen hat, sich aber sehr im Altenheim engagiert. Irgendwie schmeißt sie fast den Laden dort (natürlich ehrenamtlich). Ein bisschen zu viel Gutes kommt da zusammen und macht die Protagonistin noch langweiliger.

Fazit: Eine mäßig gelungene Fortsetzung einer Geschichte um ein junges Mädchen auf dem Weg zum Erwachsen werden. Die erste Liebe, die ganz schön schwierig ist und schließlich die Entscheidung dafür oder dagegen, ist für jüngere Mädchen sicher hörenswert. Viel Romantik, Unterhaltung oder gar Humor findet man im Hörbuch leider nicht.

Jenny Han (gelesen von Leonie Landa): P.S. I still love you. Hörbuch bei cbj audio 2017

ISBN 978-3-8371-3808-5

Gekürzte Lesung, empfohlen ab 12 Jahren, 6 CDs, Gesamtspielzeit ca. 7 Std. 40 Min.

Hörbuch · Roman

Immer wieder im Sommer

978-3-8398-9339-5Familie, das ist eine schwierige Sache. Anna lebt geschieden von ihrem Mann Max in München und versucht, ihren Töchtern eine gute Mutter zu sein. Obwohl sie mal Kleider designen und nähen wollte, arbeitet sie in einem kleinen Hotel als Zimmermädchen. Irgendwie kamen Mann und Kinder immer zuerst. Und dann ist da noch die Mutter, zu der sie seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr hat.

Anna erhält einen Brief von ihrer Mutter, die aus ihrem Bauernhof einen Gnadenhof gemacht hat, den sie ganz alleine bewirtschaftet. Weil gerade die Pfingstferien anfangen, beschließt Anna, direkt zu ihrer Mutter zu fahren, ihre alte Liebe Jan wiederzusehen, der ganz in der Nähe lebt und irgendwie ein bisschen Ordnung in ihr Leben zu bringen. Leider macht ihr der Exmann Max einen Strich durch die Rechnung. Der (Achtung Klischee!) Pilot, der in einer Holzhütte direkt am Starnberger See wohnt, vergnügt sich gerade mit einer Geliebten, als Anna ihre Kinder abgeben will. Also müssen die Kinder mit. Und weil Max die Kinder sehen will, steigt er auch noch mit in den alten VW-Bus. Unterwegs sammeln sie noch Milan auf, einen Jungen, der sich mit Sophie anfreundet… Ein Roadmovie-Roman? Nein, leider nicht. Die Familie kommt irgendwann bei der Oma Frieda an. Die leidet unter Demenz und zwar ziemlich heftig.

Nina West liest den Roman ruhig und mit wenig verstellter Stimme, sodass man sich ganz der Geschichte widmen kann. Ein bisschen mehr Enthusiasmus hätte mir gefallen, damit die Figuren mehr Individualität bekämen. Zu unterscheiden sind die verschiedenen Perspektiven allerdings trotzdem, da sie jeweils als eigene Kapitel mit den Namen der jeweiligen Figuren überschrieben sind. So erzählt mal Anna, mal ihre Mutter Frieda und auch Sophie, die Tochter von Anna, was sie erlebt, was mal war und wie sie sich dabei fühlen.

Die Geschichte ich zwar unterhaltsam und auch – durch die Demenz der Oma – etwas anders als die üblichen Frauen-nach-der-Scheidung-Romane, aber ich habe leider keinen wirklichen Zugang zu den Figuren gefunden. Vielleicht liegt es an den vielen Perspektivwechseln, vielleicht auch daran, dass sich die Figuren wenig weiterentwickeln.

Fazit: Eine Sommerreise an Pfingsten, bei der sich eine Familie darauf besinnt, wieder eine Familie sein zu wollen. Schön anzuhören, sogar mit etwas Tiefgang. Ideal als Sommerhörbuch am Strand.

Katharina Herzog (gelesen von Nina West): Immer wieder im Sommer. argon hörbuch 2017

ISBN 978-3-8398-9339-5

 

Hörbuch · Kinder- und Jugendbuch

Sieben Prinzessinnen und jede Menge Drachen

Ein Hörspiel ab 4 Jahren

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Was haben Prinzessinnen mit Drachen zu tun? Na klar, weiß man doch: Drachen fressen Prinzessinnen. Oder nicht?

Das Hörspiel besteht aus sieben Geschichten um sieben Prinzessinnen, die mehr oder weniger mit Drachen zu tun haben. Für jeden Tag gibt es eine Geschichte, sodass man eine Woche lang Spaß mit dem Hörbuch haben kann. Vermutlich werden die Kinder allerdings alles auf einmal hören und dann immer wieder.

 

Chstina Björk: Sieben Prinzessinnen und jede Mange Drachen. DAV 2017

ISBN 978-3-7424-0049-9

Hörbuch · Roman

Wenn ich dich hole

Lesung mit Stefan Kaminski und Lotte Ohm

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Die Szenerie ist für jede Mutter, jeden Vater nachvollziehbar erschreckend: Das neunjährige Kind ist allein zuhause und keiner ist erreichbar, der zu ihm kommen kann. Wenn dann nach und nach deutlich wird, dass es jemand auf das Kind abgesehen hat …

Anja Goerz erzählt die Geschichte einer unerfüllten Liebe, einer Frau, die ein Trauma nicht verarbeitet hat und über viele Jahre hinweg einem perfiden Plan folgt. Zusammengefasst wäre der Plot schnell erzählt und man könnte meinen, dafür reichten auch 100 Seiten bzw. ein, zwei CDs aus. Doch die Autorin erzählt sehr dicht, lässt den Leser nah an die Gedanken, kleinen Ereignisse, die meist belanglos und doch so nervtötend sind, heran und tief einsteigen in die bangen Stunden der Eltern des kleinen Lewe.

Die Sprecher Stefan Kaminski und Lotte Ohm geben nicht nur den Text wieder, sondern schaffen eine spannende Atmosphäre, geben jedem Charakter eine eigene Stimme, selbst den kleinsten Nebenfiguren.

Fazit: Ein spannendes Hörbuch, gut durchdacht und brillant erzählt.

Anja Goerz: Wenn ich dich hole. DAV 2017

ISBN 978-3-7424-0006-2

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Hörbuch · Roman

Das Geheimnis der Schwimmerin

9783837136265_coverSimon Watson ist Bibliothekar mit großer Leidenschaft für Bücher. Als er ein altes Buch geschickt bekommt, ist er natürlich besonders interessiert, herauszufinden, wer es geschrieben hat und was es überhaupt damit auf sich hat. Das Buch ist eigentlich ein Tagebuch, handschriftlich verfasst von einem Schausteller Ende des 18. Jahrhunderts.

Simon, der neben der Bücherleidenschaft noch eine hohe Affinität zum Wasser hat und sich im Wasser am wohlsten fühlt, merkt bald, dass das Tagebuch mit seiner eigenen Familiengeschichte verknüpft ist. Denn alle weiblichen Vorfahren seiner Familie sind an einem bestimmten Tag, dem 24. Juli, im Meer ertrunken. Simon hat eine Schwester, die ihn gerade besuchen will. Und der 24. Juli naht.

Die Figuren sind teilsweise faszinierend, bleiben jedoch meist hinter dem, was man herausholen hätte können. Genauso wie die gesamte Geschichte, die aus so vielen Details zusammengesetzt wurde, dass einfach einiges nicht richtig ausgführt wurde. Ich hatte beim Anhören oft das Gefühl, dass ich gerne mehr über die eine Person erfahren hätte, über deren Beweggründe und darüber, wie es mit ihr weiterging. So z.B. Amos, der wohl die Figur im Roman bzw. Hörbuch ist, die am meisten heraussticht. Dieser stumme Junge, eine Art Wolfskind, weil er im Wald aufwuchs, hat viele Talente, ist aber vor allem sehr sensibel und empathisch. Schade, dass er irgendwann einfach aus dem Buch verschwindet.

Der Autorin gelingt es leider nicht gut genug, die beiden Zeitebenen in einen Strang zu verweben. Die Idee, der Hintergrund der Geschichte, ist wunderbar und zugleich unheimlich, berührend und bezaubernd. Vielleicht liegt das aber auch an der gekürzten Version des Hörbuchs.

Der Sprecher Sascha Rotermund schafft es, die Charaktere sehr plastisch werden zu lassen und die Stimmungen durch seine Art zu sprechen an den Hörer heranzutragen.

Fazit: Eine schöne Geschichte, mit vielen magischen Momenten und interessanten Figuren. Das „gewisse Etwas“ fehlt mir aber leider. Dank der hervorragenden Leistung des Sprechers, lohnt es sich, die Geschichte anzuhören (wenn sie auch gekürzt ist).

Erika Swyler, Sascha Rotermund (Sprecher): Das Geheimnis der Schwimmerin. Random House Audio 2016 (6 CDs, Laufzeit: 7h 47)

ISBN 9783837136265

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Hörbuch · Roman

Die Grammatik der Rennpferde

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Angelika Jodl ist mir seit Jahren bekannt als „Die, die immer alles über Grammatik weiß“. Ich freue mich immer wieder, wenn sie im Autorenforum Montsegúr Fragen zu Schreibweisen und Satzbau erklärt, denn dann versehe ich es sogar.

„Die Grammatik der Rennpferde“ ist schon vom Titel her etwas Besonderes und kann nur ein „Kind „von Angelika Jodl sein. Ich hatte das große Vergnügen, die Geschichte anhören zu dürfen. Martina Gedeck begeistert mich als Sprecherin. Sie schafft es, nicht nur Akzente und Dialekte authentisch rüberzubringen, vor allem die Stimmung, Zweifel, Stille, Freude … mit ihrer Stimme auszudrücken.

Die Geschichte handelt von Salli Sturm, einer Dozentin für deuche Sprache, irgendwie hängengeblieben an einem Sprachinstitut. Ihr Name ist schon amüsant, denn „Sturm“ kling nach einer aktiven, ja fast aggressiven Person. Salli jedoch scheint sich eher treiben zu lassen, bzw. passiv zu sein. Angeregt durch den von ihr angehimmelten Kollegenlässt sie ihr langjährigen Studien über Laute (die ich sehr interessant und nachvollziehbar finde) fallen und geht auf eine Art Wette ein. Sie will es schaffen, einem Ausländer in einem bestimmten Zeitraum Deutsch beizubringen, ihn dabei genau beobachten und alles exakt dokumentieren.

Ihr Versuchskaninchen entdeckt sie auch gleich in einer Zeitungsannonce: Sergej sucht einen Deutschlehrer.

Eigentlich sucht er ja jemanden der ihm hilft, ein Rennpferd zu kaufen, aber das verrät er natürlich nicht. So finden sich die beiden sehr unterschiedlichen Menschen und vor allem Salli krempelt ihr Leben plötzlich komplett um.

Es macht viel Spaß, zu lesen bzw. zuzuhören, wie sich die zurückhaltende Salli zu einer aktiven Frau entwickelt, die ihre Prinzipien hinter sich lässt und einfach spontan handelt. Dass sie sich ihrer Angst vor Pferden stellt und sogar reiten lernt, gönnt man ihr herzlich, denn sie ist eine sehr sympathische Figur.

Fazit: Angelika Jodl hat ein zauberhaftes Buch über die Liebe zu Sprache geschrieben, in dem auch die Liebe zwischen Menschen nicht zu kurz kommt. Spannend, amüsant und liebenswürdig.

Angelika Jodl (Hörbuch gesprochen von Martina Gedeck): Die Grammatik der Rennpferde. Random House Audio 2016

ISBN 978-3-8371-3393-6

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Hörbuch · Roman

Rentierköttel

Hörbuch, gesprochen von Holger Dexne

Auf dem Hörbuch ist eine Illustration abgebildet, die den Kopf eines Rentiers vor einer roten Bretterwand zeigt.
Eine Tierkot-Reihe, darauf muss man erst mal kommen. Lars Simon hat selbst ein paar Jahre in Schweden gelebt und offenbar mit viel Humor beobachtet, was seine Mitmenschen so treiben.

Der erste Teil der Reihe, Elchscheiße, hat mich sehr begeistert. Ich finde den Sprecher, Holger Dexne, großartig, und freue mich, dass er auch Rentierköttel eingesprochen hat.

Den zweiten Teil, Kaimankacke, habe ich weder gelesen noch gehört. Macht aber nichts, denn Rentierköttel ist auch allein hörbar und macht einen riesen Spaß.

Die Tierkot-Reihe wird erzählt von Torsten Brettschneider, der ein Häuschen in Schweden erbt und sich dort niederlässt. Im ersten Teil der Reihe lernt er Rainer kennen. Rainer studiert seit gefühlten 30 Jahren Sozialpädagogik, sieht seltsam aus, nickt mit dem Kopf wie ein Huhn und redet unglaublich amüsant. Nachdem Torsten und Rainer schon einiges zusammen erlebt haben, machen sie sich in Rentierköttel auf nach Lappland. Denn dort vermutet Torsten seine Liebste und Rainer wollte sowieso dorthin.

Bald befinden sich die beiden mittendrin im seltsamen Tun einer Asen-Sekte, die mal lustig und mal gruselig auftreten. Rainer lockert aber jede Situation auf. Seine Kommentare sind meistens so lustig, dass man ihm stundenlang zuhören möchte.

Der Sprecher schafft es, die Figuren sehr lebendig werden zu lassen. Er verströmt die nötige Ruhe, um dem manchmal hastigen Geschehen folgen zu können. Und vor allem kann er die verschiedenen Charaktere so gut verkörpern, dass sie unvergesslich werden.

Die Asen-Geschichte finde ich manchmal etwas merkwürdig und nicht ganz so amüsant, wie die eigentlich einfache Geschichte bei Elchscheiße. Doch die Charaktere, natürlich allen voran Rainer, und die Dialoge machen es wett.

Fazit: Lars Simon hat hier keine tiefsinnige Literatur geschaffen, aber sehr unterhaltsame Romane, die einfach Spaß machen. Ob ich jetzt noch nach Schweden fahren will… ich weiß nicht recht.

Lars Simon: Rentierköttel. JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH 2015

Als TRentierköttel von Lars Simonaschenbuch: dtv 2015

ISBN 978-3-833-73478-6

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