Kinder- und Jugendbuch

Mein Leben in Listen

Annies Geschichte

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Ein Roman gefüllt mit Listen? Ob das lesbar ist?

Ja, und wie! Annie erzählt ihre Geschichte sehr lebendig und lustig. Da jede Liste eine erklärende Überschrift hat, wird man gleich neugierig darauf, was in der Liste steht. Die Punkte auf den Listen sind dann nicht immer nur einzelne Stichworte, sondern manchmal auch längere Texte. So erfährt man stückweise immer mehr aus dem Leben des Mädchens. Zwischendurch gibt es aber auch ein bisschen fließenden Text, der noch mehr Einblicke gewährt und die Spannung erhöht.

Sie erlebt ziemlich viel und leider auch manchmal recht unangenehme Dinge. Die Familie muss umziehen und Annie denkt, sie sei der Grund dafür. Von Brooklyn nach Kleewinkel ist es ein großer Schritt, denn dort ist alles ganz anders. Es gibt viele neue Regeln im Umgang miteinander, die Annie natürlich in ihren Listen aufschreibt. Im Laufe des Buches lernt sie nicht nur viele neue Menschen, Regeln und Bräuche kennen, sondern sie lernt auch viel über sich selbst, über Freundschaften und ihre Familie.

Fazit: Ein empfehlenswerter Listen-Roman für junge Leserinnen. Gar nicht so amerikanisch, wie die Wohnorte von Annie vermuten lassen. Und sehr witzig obendrein!

Kristin Mahoney: Mein Leben in Listen. Schneiderbuch 2019

ISBN 978-3-505-14257-4

Hörbuch · Kinder- und Jugendbuch · Selber machen

Verloren in Eis und Schnee

9783837143386_CoverDie unglaubliche Geschichte der Geschwister Danilow

Die Zwillinge Nadja und Viktor aus Leningrad müssen mit allen anderen Kindern aus der Stadt weit weg fliehen. Die Front rückt immer näher und so werden alle Kinder in Züge verfrachtet und in den Osten gefahren. Nadja und Viktor bekommen von ihrem Vater Hefte, in die sie abwechselnd schreiben sollen. Ein gemeinsames Tagebuch soll es werden. Und das ist gut so, denn die beiden erleben den Krieg und seine Auswirkungen hautnah und überleben nur knapp. Weil sie beide schon zu Beginn der Reise getrennt werden, sind es eigentlich zwei Geschichten, die von Gabrielle Pietermann und Nicolás Artajo  sehr eindrücklich gesprochen werden. Es ist erschreckend, was den beiden passiert und wie sie lernen, mit Gefahren, Not und Hunger umzugehen. Viele kleine Details machen die Geschichte glaubwürdig, nachvollziehbar und auch sehr beängstigend. So müssen beide Kinder (sie sehen sich aber nicht als Kinder, sind sie doch schon 13) viele Tote sehen und erleben, wie Menschen sterben. Zuerst sind sie schockiert, doch nach und nach nehmen sie es einfach hin.

Einige Handlungen klingen zwar unlogisch, scheinen jedoch authentisch in Anbetracht der Ausnahmsituationen. Wie z.B. dass Kinder einen deutschen Soldaten gefangen nehmen oder dass sie in einem Gulack eingesperrt werden, obwohl sie Kinder sind und nicht mal dort angekündigt wurden.

Etwas verwirrend ist die dritte Persepktive des  Romans. Oberst Smirnow (gesprochen von Reinhard Kuhnert) sagt Kapitel an (offenbar aus den Tagebüchern) und berichtet zwischendurch über die „Verfehlungen“ der Kinder und ihre Anklagepunkte. Es ist nicht ganz nachzuvollziehen, was es damit auf sich hat. Nur am Ende gibt es eine kleine Erleuchtung, die ich hier nicht vorwegnehmen will.

Fazit: Ein sehr spannendes Hörbuch von wunderbaren Sprechern gelesen. Die Altersempfehlung ab 12 Jahre würde ich nur für Kinder bestätigen, die sehr reflektiert sind und sich bereits mit Krieg, Tod und Ängsten auseinandergesetzt haben. Es ist aber sehr wichtig, über das Buch zu sprechen, da viele verängstigende Szenen vorkommen.

Davide Morosinotto: Verloren in Eis und Schnee. mp3 Hörbuch, cbj audio 2019

ISBN 978-3-8371-4338-6

Kinder- und Jugendbuch

Müll

Raidt_Muell_UMSCHLAG_81215.inddAlles über die lästigste Sache der Welt

Müll trennen oder Müll vermeiden? Ressourcen schonen, nachhaltig leben … Themen, die nicht erst sein Greta Thunbergs Schulstreiks für den Klimaschutz #fridaysforfuture in Schulen und zuhause in den Familien relevant sind. In diesem sehr ausführlichen und übersichtlich strukturierten Buch mit vielen, gut veranschaulichenden Illustrationen lernen Grundschulkinder und ältere Menschen alles Wichtige über Müll.

Das Besondere ist, dass hier auch auf unser Verhalten eingegangen wird: Was können wir konkret tun, um Müll zu vermeiden? Außerdem gibt es Beispiele von Menschen, die umweltbewusst und nachhaltig leben. Dabei auch viele Kommentare von Menschen, die das nicht verstehen. Das bietet eine gute Diskussionsgrundlage und regt an, über das eigene Verhalten nachzudenken. Am Ende des Buches gibt es dann auch einige Ideen, wie man alte Sachen sinnvoll verwerten kann.

Fazit: Alles über Müll ist es vermutlich nicht, aber schon ein großer und kritischer Blick auf das „Vermüllen“, das wir Menschen verursachen. Als Infobuch ist es auch  für Erzieher/innen in Kindergärten gut geeignet.

Gerda Raidt: Müll. Beltz & Gelberg 2019

Kinder- und Jugendbuch

Der Hamster Radel

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Der Hamster Radel lebt im Schaufenster einer Apotheke. Den ganzen Tag läuft er in seinem Rad. Es geht ihm nicht gut dort im Schaufenster. Er bekommt wenig zu essen und das riecht auch noch nach Medizin.

Als Radel durch ein Unglück samt Laufrad aus dem Fenster in die Freiheit kullert, ist er trotzdem sehr erschrocken. Schließlich weiß er nicht, was ihn in der Freiheit erwartet. Vielen anderen Hamstern geht es ähnlich schlecht und sie schließen sich Radel an…

Luis Murschetz (Autor und Illustrator vom Maulwurf Grabowski) erzählt hier eine fantasievolle Geschichte mit leider sehr wahrem Kern, vom kleinen Tier, das eingesperrt und vernachlässigt wird. In seinem Buch gibt es ein relativ offenes, jedoch positives Ende. Das regt zum Nachfragen und Weitererzählen an. Auch die Bilder bieten viel Raum zum Entdecken und Fantasieren.

Fazit: Eine traurig abenteuerliche, schöne Geschichte, fantasievoll erzählt und wunderbar illustiert. Ideal für Kinder von ca. fünf bis acht  Jahren.

Luis Murschetz: Der Hamster Radel. Diogenes 2019

ISBN 978-3-257-01249-1

Kinder- und Jugendbuch

Die Seidenstraßen

Eine Weltgeschichte für Kinder

300_978-3-499-21827-9.jpgSchon der Einband mit leuchtender Goldschrift, leichter Gummierung und spannender Illustration macht neugierig auf das, was es mit den Seidenstraßen auf sich hat.

In 16 Kapiteln wird Kindern (und Erwachsenen) die Geschichte der Seidenstraßen erzählt. Zunächst gibt es auf einer Doppelseite eine Weltkarte. Im Anschluss in der Einleitung erklärt der Autor, dass er sich als Kind jeden Tag seine Weltkarte angesehen und gestaunt hat. Er wollte mehr über die Geschichte(n) in der Welt erfahren als das, was in der Schule gelehrt wird. So kam er irgendwann auf den Begriff der Seidenstraße, welche die ROuten zwischen Asien, Europa und Afrika miteinander verbindet.

In den einzelnen Kapiteln erzählt der Autor anschaulich, wo die verschiedenen Routen entstanden, was zu seiner Zeit passiert und wie es den Menschen erging. Es sind sehr viele Informationen, die im Fließtext gesetzt wurden. Leider gibt es nur wenige Absätze, die auch nur eingerückt sind. So wirken die Seiten trotz großem Zeilenabstand reichlich gefüllt. Da braucht man schon große Lust zum Lesen und ausreichend Interesse am Inhalt. Doch die Erzählungen sind so spannend, dass das kein Problem sein sollte.

Die fantastischen Illustrationen bereichern dabei ungemein. Für Kinder eignet sich das Buch trotzdem nur, wenn sie selbst sehr gut lesen und Texte verstehen können. daher bietet es sich an, gemeinsam zu lesen und über die Texte zu sprechen. Denn es braucht schon etwas Vertiefung und Austausch, um alles verstehen zu können. Außerdem macht es Spaß, gemeinsam Karten anzusehen und die Länder zu suchen, über die im Buch erzählt wird und sich auszumalen, wie es damals wohl zugegangen ist.

Fazit: Weltgeschichte anhand von Handelswegen sehr lebendig und anschaulich erzählt. Ideal als Vorlesebuch für die ganze Familie.

Peter Frankopan (Neil Packer, Illustr.): Die Seidenstraßen. Rowohlt 2018

ISBN 978-3-499-21827-9

Kinder- und Jugendbuch

Leon und Jelena

fisch.jpgLeon und Jelena sind Kinder eines Kindergartens, in dem Mitbestimmung ein wichtiges Thema ist. In jedem der kleinen Büchlein geht es darum, zu zeigen, wie Partizipation in der Kita und sogar in der Krippe funktionieren kann. Die Texte sind verständlich und interessant geschrieben und die Bilder zeigen ein realistisches Bild aus dem Kindergarten. Leider empfinde ich die Geschichten nicht wirklich interessant für Kinder. Manche Situation ist zu unrealistisch, wie z.B. der Besuch zweier Schulkinder in der Kita – spontan und hereingebeten von den Kita-Kindern (ganz ohne Erwachsene).

Ich finde die kleinen Bücher sehr hilfreich für die Ausbildung und Fortbildung von Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen und Tagesmüttern (natürlich sind auch Männer gemeint). Durch die einfachen Texte ist leicht verständlich, welche Möglichkeiten es gibt, Kinder in Kitas ihr Recht auf Mitbestimmung einzuräumen. Die Bücher können als Impulse und Diskussionsgrundlage verwendet werden.

Fazit: Mitbestimmen und Mitmachen – für Kinder in Kitas ist das nicht selbstverständlich. WIe es geht, zeigen die kleinen Bücher anschaulich, jedoch eher für Erwachsene als für Kinder. Für die Aus- und Weiterbildung pädagogischer Fachkräfte sind die Hefte jedoch sehr gut geeignet.

Rüdiger Hansen und Raingard Knauer: Leon und Jelena. Verlag Bertelsmann Stiftung 2018

  • Eine Kinderkonferenz für die Schule ISBN 978-3-86793-796-2
  • Die neue Erzieherin ISBN 978-3-86793-859-4
  • Ein Name für den Fisch ISBN 978-3-86793-794-8
  • Eine Baustelle für die Krippis ISBN 978-3-86793-795-5
Kinder- und Jugendbuch

Enno Anders

ennoLöwenzahn im Asphalt

Enno heißt nicht nur Anders er ist auch anders. Irgendwie schafft er es nicht, sich anzupassen, unauffällig zu sein und das zu tun, was von ihm erwartet wird. Im Unterricht versucht er sich zu konzentrieren, muss aber dann doch zuhören, wie die Heizung klackert oder ein Mitschüler ständig die Nase hochzieht. Leider ist Ennos Mutter auch keine Hilfe. Sie scheint ihn gar nicht zu akzeptieren, so wie er ist. Hält sie ihn für doof? Wäre nicht verwunderlich, denn mit elf Jahren ist er gerade erst in der vierten Klasse.

Die Autorin Astrid Frank schreibt Ennos Geschichte aus seiner Perspektive mit all den Gedanken und Fantasiegeschichten, die in seinem Kopf vorgehen. Beeindruckend, wie einfühlsam sie dabei vorgeht und wie genau sie offenbar Kinder in Ennos Situation beobachtet hat. In ihrer Geschichte eines ungewöhnlichen Kindes finden sich sicher einige Kinder wieder und andere können lernen, zu verstehen, wie es ist, wenn man anders ist.

Fazit: Anders sein muss nicht schlimm sein, wenn man von den Eltern, Freunden und Lehrern gestärkt wird. Doch das passiert leider selten. Die Geschichte von Enno zeigt, wie schwer es ist, anders zu sein. Es zeigt aber auch einen Weg aus dem Dilemma und dass jeder seine Stärken hat.

Astrid Frank: Enno Anders. Urachhaus 2018

ISBN 978-3-8251-5122-8