Roman

Ein Dorf zum Verlieben

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Wanda ist Yogalehrerin in Osterbüren, wo sie auch aufgewachsen ist und verliebt war in R. Wenn sie sich unterhält, wenn sie irgendwo herumläuft, denkt sie an R. So oft, dass es leider schon zu Beginn des Romans zu nerven beginnt.

R. eigentlich Richard, lebt in München mit einer Frau, deren Vater ein reicher Arzt ist. Auch Richard könnte ins Geschäft mit der Schönheit einsteigen, flüchtet aber lieber nach Osterbüren, in Gedanken an Wanda.

Hach…

Da wäre noch das Dorf, in das man sich laut Titel verlieben soll. Denn die netten Dorfbewohner samt zweier Omas von Wanda mögen sie so gerne, dass sie sich zusammentun, um Wanda von Richard fernzuhalten. Angeblich hat er sich ja sehr schmerzhaft von ihr getrennt und ihr das Herz gebrochen, damals in früher Jugend. Äh… als er mit seinen Eltern weggezogen ist. Jetzt übernimmt er die zufällig freigewordene Vertretung des Landarztes in Osterbüren, wohnt im Gasthof, in dem eigentlich auch Wanda jobbt und läuft ihr nie über den Weg, weil ja die Dorfbewohner, die zum Verlieben, alle so gut zusammenhalten.

Es könnte so nett sein, romantisch, lustig, denn die Figuren hätten teilweise Potenzial dazu, auch die Geschichte könnte, zwar sehr oft schon erzählt, doch irgendwie schön sein. Aber sie ist es nicht. Die Autorin erzählt eine fantasievolle Geschichte, die einfach nur langweilig und fadenscheinig ist. Schade.

Fazit: Kein Dorf zum Verlieben und auch keine Geschichte, die etwas von Liebe erzählt. Leider fällt dieses Buch bei mir komplett durch.

Dorothea Böhme: Ein Dorf zum Verlieben. blanvalet 2017

ISBN 978-3-7341-0338-4

Roman

Schlachtsaison

schlachtsaisonDer Sanktus ist wieder unterwegs. Im Gespann wie immer seine Spezln, die Brauereikollegen. Nur in diesem dritten Band der Sanktus-Krimis geht es etwas blutiger zu, denn Jack the Ripper scheint auferstanden zu sein. Irgendwer mordet nach dem Modell des historischen Serienkillers und die Brauerherrn versuchen, dahinter zu kommen, wer es ist.  Der Bichlmaier, seinerseits Kriminalkommissar der Münchner Polizei, sucht in diesem Fall aktiv die Hilfe seines alten Freundes und ehemaligen Kollegen Sanktus.

Und da fängt es für mich leider an, etwas schwierig zu werden. Denn ich empfinde es als enorm unrealistisch, dass ein Kommissar einem Sanktus Informationen gibt und ihn sogar aktiv in die Ermittlungen einbezieht. Auch die Spezln erscheinen mir zu abgebrüht, wenn sie so munter drauflos ermitteln, ohne sich zu fürchten. Irgendwie hat keiner so richtig Angst vor dem Mörder in diesem Krimi. Nur ich, scheints. Ich finde den Kriminalfall hier zu heftig für einen sonst sehr amüsanten Roman. Der Ripper von München mordet wild umeinander und schlitzt die Opfer auch noch auf… ich will es lieber nicht nacherzählen.

Die Stärken von Andreas Schröfl sind eindeutig die Figuren und ihre Sprache. Jede Figur in diesem Roman hat eine Persönlichkeit, die man sich merkt. Und jede hat ihren eigenen Dialekt, Sprachfehler oder andere Eigenheiten. Großartig!

Ein kleines Manko muss ich noch anbringen, das mich stört: Manchmal gibt es kleine Erläuterungen, z.B. zu geschichtlichen Hintergründen, die nicht passen, weil sie aus der Erzählung und ihrem Stil rausschubsen. Gerne lese ich solche Erläuterungen als Anmerkungen am Ende des Buches aber nicht mitten im Text. Das klingt hier zu belehrend.

Fazit: Ein amüsanter und meist auch spannender Sanktus-Krimi. Erheiternde Figuren mit wunderbar eigenwilligen Charakteren, die in einen etwas zu blutigen Fall verwickelt werden. Nicht der beste der Sanktus-Reihe, aber auf jeden Fall lesenswert.

Andreas Schröfl: Schlachtsaison. Gmeiner-Verlag 2017

ISBN 978-3-8392-2050-4

 

 

Hörbuch · Roman

Immer wieder im Sommer

978-3-8398-9339-5Familie, das ist eine schwierige Sache. Anna lebt geschieden von ihrem Mann Max in München und versucht, ihren Töchtern eine gute Mutter zu sein. Obwohl sie mal Kleider designen und nähen wollte, arbeitet sie in einem kleinen Hotel als Zimmermädchen. Irgendwie kamen Mann und Kinder immer zuerst. Und dann ist da noch die Mutter, zu der sie seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr hat.

Anna erhält einen Brief von ihrer Mutter, die aus ihrem Bauernhof einen Gnadenhof gemacht hat, den sie ganz alleine bewirtschaftet. Weil gerade die Pfingstferien anfangen, beschließt Anna, direkt zu ihrer Mutter zu fahren, ihre alte Liebe Jan wiederzusehen, der ganz in der Nähe lebt und irgendwie ein bisschen Ordnung in ihr Leben zu bringen. Leider macht ihr der Exmann Max einen Strich durch die Rechnung. Der (Achtung Klischee!) Pilot, der in einer Holzhütte direkt am Starnberger See wohnt, vergnügt sich gerade mit einer Geliebten, als Anna ihre Kinder abgeben will. Also müssen die Kinder mit. Und weil Max die Kinder sehen will, steigt er auch noch mit in den alten VW-Bus. Unterwegs sammeln sie noch Milan auf, einen Jungen, der sich mit Sophie anfreundet… Ein Roadmovie-Roman? Nein, leider nicht. Die Familie kommt irgendwann bei der Oma Frieda an. Die leidet unter Demenz und zwar ziemlich heftig.

Nina West liest den Roman ruhig und mit wenig verstellter Stimme, sodass man sich ganz der Geschichte widmen kann. Ein bisschen mehr Enthusiasmus hätte mir gefallen, damit die Figuren mehr Individualität bekämen. Zu unterscheiden sind die verschiedenen Perspektiven allerdings trotzdem, da sie jeweils als eigene Kapitel mit den Namen der jeweiligen Figuren überschrieben sind. So erzählt mal Anna, mal ihre Mutter Frieda und auch Sophie, die Tochter von Anna, was sie erlebt, was mal war und wie sie sich dabei fühlen.

Die Geschichte ich zwar unterhaltsam und auch – durch die Demenz der Oma – etwas anders als die üblichen Frauen-nach-der-Scheidung-Romane, aber ich habe leider keinen wirklichen Zugang zu den Figuren gefunden. Vielleicht liegt es an den vielen Perspektivwechseln, vielleicht auch daran, dass sich die Figuren wenig weiterentwickeln.

Fazit: Eine Sommerreise an Pfingsten, bei der sich eine Familie darauf besinnt, wieder eine Familie sein zu wollen. Schön anzuhören, sogar mit etwas Tiefgang. Ideal als Sommerhörbuch am Strand.

Katharina Herzog (gelesen von Nina West): Immer wieder im Sommer. argon hörbuch 2017

ISBN 978-3-8398-9339-5

 

Roman

Landliebe

LandliebeWenn Schweinebauer Sepp sich mit der forschen Fleischermeisterin Astrid treffen soll, kann es ziemlich heiter werden…

Doch der „tüchtige Winzer Tom“ trifft die zum pinkfarbenen Püppchen mutierte Ellie, die sich so gar nicht nach Landluft und -liebe sehnt. Eigentlich braucht sie einfach nur Geld, viel Geld und schnelles Geld. Daher meldet ihre Freundin sie bei einer Kuppelshow an, die ganz dem Fernsehdauerbrenner „Bauer sucht Frau“ nachempfunden zu sein scheint. Allein die Ansagen zu Beginn jedes Kapitels sind herrlich und zeigen die Fake-Welt dieser Show besonders deutlich.

Tom, der Winzer, braucht auch Geld und zwar ziemlich viel. Also muss er diese Show mitmachen und ganze vier Wochen durchziehen. Obwohl er doch so gar nicht auf das Püppchen steht, das ihm da vorgesetzt wird. Oder?

Klar, es ist alles absehbar an diesem Roman und vieles ist leider etwas zu fadenscheinig. Ellie beispielsweise braucht das Geld, weil sie ein Kunstwerk zerstört hat: eine Installation aus Plastikbechern. Sie hat es weggeworfen, weil sie dachte es sei Müll (kennen wir das irgendwoher?). Ok, das ist egal, denn Ellie ist eine sympathische, starke Persönlichkeit, die man gerne durch die vier Wochen auf dem Weingut begleitet.

Achso, die Liebe kommt auch vor, bald und sehr heftig und auch mit Erotik, also Sex und so … wäre gar nicht so ausführlich nötig gewesen, aber macht auch nichts.

Fazit: Ein kurzweiliger, manchmal lustiger und überwiegend amüsanter Roman, der zar keinerlei Tiefgang besitzt, jedoch viel Spaß macht.

Jana Lukas: Landliebe. Heyne 2017

ISBN 978-3-453-42195-0

Roman

Worüber wir nicht reden

978-3-7844-3416-2_1_2Der Sommer hat vier Wände“ von Jenny Bünnig hat mich begeistert. So war ich sehr gespannt darauf, wie mir „Worüber wir nicht reden“ gefallen wird.

Die Autorin hat einen Blick für Menschen, kann sie so beschreiben, dass sie lebendig werden. In diesem Buch schildert sie eine Familie, deren Mutter an Demenz erkrankt ist. Die erwachsenen Kinder, die sich fast nie blicken lassen, werden vom Vater einbestellt und müssen sich der Familie und ihren nicht ausgesprochenen Gedanken stellen.

Irgendwie hat jeder in dieser Familie seine Sorgen und schleppt Erinnerungen mit sich herum, die bei anderen wieder ganz anders erscheinen – jeder erinnert sich aus seiner Perspektive. Und so schreibt es Jenny Bünnig auch: Sie wechselt die Perspektiven und lässt die Figuren erzählen. Dabei überschneiden sich die Situationen manchmal, sodass man als Leser zwei Sichtweisen erfahren kann.

Leider ist die Geschichte nicht besonders spannend. Man weiß eigentlich von Anfang an, was das ist, worüber die Familie nicht redet, oder zumindest erhahnt man es. Irgendwann wurde mir der Roman fast zu langweilig. Es hat mich nicht mehr interessiert, was die Figuren machen, was sie reden, was sie wollen… schade! Gegen Ende hat mich die Autorin noch einmal gehabt, als der Vater sich aktiver beteiligt, als es kleine Wendungen und Regungen gibt, auf die man so lange gewartet hat.

Fazit: Ein sehr ruhiger Roman über eine Familie,  in der jeder alleine versucht, mit Erinnerungen klar zu kommen, statt sie gemeinsam zu bewältigen.

Jenny Bonnig: Worüber wir nicht reden. LangenMüller 2017

ISBN 978-3-7844-3416-2

Hörbuch · Roman

Wenn ich dich hole

Lesung mit Stefan Kaminski und Lotte Ohm

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Die Szenerie ist für jede Mutter, jeden Vater nachvollziehbar erschreckend: Das neunjährige Kind ist allein zuhause und keiner ist erreichbar, der zu ihm kommen kann. Wenn dann nach und nach deutlich wird, dass es jemand auf das Kind abgesehen hat …

Anja Goerz erzählt die Geschichte einer unerfüllten Liebe, einer Frau, die ein Trauma nicht verarbeitet hat und über viele Jahre hinweg einem perfiden Plan folgt. Zusammengefasst wäre der Plot schnell erzählt und man könnte meinen, dafür reichten auch 100 Seiten bzw. ein, zwei CDs aus. Doch die Autorin erzählt sehr dicht, lässt den Leser nah an die Gedanken, kleinen Ereignisse, die meist belanglos und doch so nervtötend sind, heran und tief einsteigen in die bangen Stunden der Eltern des kleinen Lewe.

Die Sprecher Stefan Kaminski und Lotte Ohm geben nicht nur den Text wieder, sondern schaffen eine spannende Atmosphäre, geben jedem Charakter eine eigene Stimme, selbst den kleinsten Nebenfiguren.

Fazit: Ein spannendes Hörbuch, gut durchdacht und brillant erzählt.

Anja Goerz: Wenn ich dich hole. DAV 2017

ISBN 978-3-7424-0006-2

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Roman

Die relative Unberechenbarkeit des Glücks

9783764505752_CoverEthan ist 12 und scheint bereits ein Physikgenie zu sein. Er sieht Wellen und denkt wie ein Wissenschaftler. Damit eckt er natürlich an und selbst sein einziger Freund stellt sich irgendwann gegen ihn. Irgendwann kriegt er raus, dass sein Vater etwas furchtbares mit ihm angestellt haben muss…irgendetwas Schlimmes war passiert, als Ethan ein Baby war. Doch was und warum hat es seine Mutter ihm nie erzählt?

Die Mutter, Claire, war Ballerina und stand vor ihrer größten Chance, als „Es“ passierte. Seitdem ist sie für Ethan da, allein, ohne ihren Mann Mark, den sie so sehr liebte.

Mark soll seinem Vater einen letzten Wunsch erfüllen und ihm den Enkel ans Sterbebett bringen. Doch Claire erlaubt es nicht, sie will nicht, dass die alten Wunden aufbrechen.

Alles ändert sich, als Ethan eine Zeitmaschine baut…

Antonia Hayes Debütroman ist bis ins kleinste Detail ausgefeilt und außerordentlich gut recherchiert. Ob ein Physiker alle Erläuterungen und Behauptungen im Buch unterschreiben würde, weiß ich nicht, doch mir als Laien erscheinen sie alle glaubwürdig. Die Autorin schafft es, eine ausgewogene Sprache zwischen der Welt der Wissenschaft im Kopf des Jungen Ethan und seinen Gefühlen hinzubekommen, die sehr leicht zu lesen und vor allem glaubwürdig ist. Auch wenn Claire, die Mutter des Jungen, oder Mark, der Vater erzählen, kann man sich als Leser in sie hineinversetzen.

Die Sache mit dem Schütteltrauma finde ich stellenweise etwas zu „amerikanisch“ dramatisiert. Dass ein Schütteltrauma schrecklich ist steht außer Frage. Doch wird im Buch immer wieder von einem Verbrechen gesprochen, als hätte der Vater es geplant. Andererseits beleuchtet die Autorin sehr genau die Gefühlswelt des Vaters, der überfordert ist mit der Situation, ein immerfort schreiendes Baby zu betreuen, während er eigentlich an einem Text arbeiten muss. Doch weder bei der Gerichtsverhandlung noch bei den Erzählsträngen der Mutter wird jemals erwähnt, dass es eine Affekthandlung war, keine geplante oder mutwillige Tat. Der Vater liebte seinen Sohn und ist ausgetickt – das entschuldigt nicht seine Tat, macht sie jedoch nachvollziehbarer und sollte eine andere Art von Aufarbeitung nach sich ziehen. Der Vater hätte beispielsweise eine Therapie machen sollen, um seine Impulskontrolle besser in den Griff zu kriegen…

Fazit: Die faszinierende und spannende Geschichte eines Jungen, der alles tun will, um seinen Vater kennenzulernen, damit er verstehen kann, was mit ihm passiert ist und warum er so außergewöhnliche Fähigkeiten hat.

Antonia Hayes: Die relative Unberechenbarkeit des Glücks. blanvalet 2017

ISBN 978-3-7645-0575-2