Liebesroman · Roman

Die Radioschwestern

Klänge einer neuen Zeit

Drei junge Frauen haben 1927 das Radio für sich entdeckt. Jede aus anderen Beweggründen und mit anderen Zielen. Gesa will Sprecherin werden, Inge singt und hofft auf eine Karriere, die durch das Radio angefeuert wird, Margot ist Cellistin und ergattert einen Platz im Rundfunkorchester.

Das Radio war 1927 noch neu und nur wenige Haushalte besaßen ein Rundfunkgerät. Um etwas zu senden, musste viel Aufwand betrieben werden und alle Sendungen waren Live-Schaltungen. Dies und viele andere kleine Details aus der Zeit zwischen den zwei großen Kriegen, erfahrt man ganz nebenbei, nie aufgedrängt, sondern gut platziert im spannend und unterhaltsam geschriebenen Roman.

Die Geschichten der drei Frauen, die sich gleich zu Beginn kreuzen, sind alle glaubwürdig und interessant. So liest sich das Buch viel zu schnell, denn natürlich will man wissen, ob sich die Berufswünsche der Frauen erfüllen. Liebesgeschichten gibt es auch bei ihnen, die ganz der Zeit entsprechend sehr unterschiedlich sind.

Fazit: Ein unterhaltsamer, interessanter und spannender Roman rund um die ersten Jahre des Frankfurter Rundfunks und drei tolle Frauen, die ihre eigenen Wege gehen wollen.

Eva Wagendorfer: Die Radioschwestern. Penguin Verlag 2022

ISBN 978-3-328-10796-5

Liebesroman · Roman

Querbeet ins Glück

„Liebe geht durch den Garten“, heißt es im Klappentext. Anders als im Roman von Ulrike Hartmann mit genau diesem Titel geht es in „Querbeet ins Glück“ nicht um eine Frau, die einen Schrebergarten für sich entdeckt. Die Protagonistin wird vielmehr in einen Gemeinschaftsgarten geschubst und lernt dort unterschiedlichste Menschen kennen. Endlich lebt Maddie ihren beruflichen Traum als Musicaldarstellerin in Berlin. Dafür hat sie praktisch kein Privatleben und muss sich die Altbauwohnung mit einer älteren Frau und ihrem dicken Kaninchen teilen. Sie leidet unter Selbstzweifeln und dem Druck, den sie sich selbst macht. Weil ihre Vermieterin und zugleich Mitbewohnerin ins Krankenhaus muss, soll Maddie sie in der Grünanlage „Grüne Freiheit“ vertreten. Dort entdeckt sie ganz neue Fähigkeiten und Interessen aber auch, dass sie um ihrer selbst Willen gemocht wird. Außerdem begegnet sie einem Mann…

Die Autorin Lisa Kirsch schreibt locker und mit viel Humor. Sie beobachtet sehr genau, sodass die Figuren im Roman skurril, liebenswert und vor allem lebendig erscheinen. Ein bisschen wenig Beachtung bekommt das Theaterleben, das Maddie doch so wichtig ist. Hier hätte man gerne etwas mehr reingeschnuppert. Überhaupt sind so viele Figuren interssant, dass man gerne mehr über sie erfahren würde. Vielleicht gibt es ja noch einige Fortsetzungen mit ihnen?

Fazit: Das GLück muss man wohl nur zulassen, zumindest ergeht es Maddie im Roamn so. Eine Geschichte, die richtig Spaß macht und ein Liebesroman, der so gar nicht die typischen Klischees bedient.

Lisa Kirsch: Querbeet ins Glück. Fischer Verlag 2022

ISBN 978-3-596-70641-9

Roman

Die fremde Spionin

Viele Kinder wurden in der DDR von ihren Eltern getrennt und wuchsen in Heimen oder Adoptivfamilien auf. Grund dafür war häufig „staatsfeindliches Denken und Handeln“ der Eltern. Im Heim und bei neuen Elten erzog man die Kinder selbstverständlich linientreu.

Rita wurde bereits mit 10 Jahren von den Eltern und der jüngeren Schwester getrennt. Das beschäftigt sie immerzu, auch wenn sie nach außen brav alle Regeln befolgt. So bekommt sie schließlich eine Stelle im Ministerium für Außenhandel in Ostberlin. Hier erhält sie tiefe Einblicke in geheime Unterlagen. Prompt wirbt der BND sie an. Immer auf der Suche nach Informationen über ihre Schwester kommt ihr das gerade recht.

Rita ist sehr schlau, geschickt und dazu attraktiv. Ideal, um sich zu wandeln und einzuschleichen. Manchmal ist es kaum auszuhalten, in welche Gefahr sie sich begibt. Doch sie hat Glück, Fürsprecher und vor allem ihre Intelligenz, die sie immer wieder aus der Schlinge zieht.

Titus Müller erzählt nicht nur spannend, sondern vor allem sehr nah an den Figuren, Schauplätzen und der Zeit. Er kommt ohne Sterotype und Klischees aus, sodass man als Lesende jedes Detail neu entdecken kann.

Fazit: Ritas rasendes Leben erscheint zugleich unwirklich und ist durch den Blick des Autors sehr lebendig und nah. Zum Glück wird es noch Fortsetzungen dieses Romans geben, denn Ritas Geschichte ist viel zu interessant, um sie nach einem Roman abzuschließen.

Titus Müller: Die fremde Spionin. Heyne 2020

ISBN 978-3-453-44125-5

Roman

Gute Geister

„Die Hitze ist in alles reingesickert. Eine Woche haben wir jetzt schon siebenunddreißig Grad und neunundneunzig Prozent Luftfeuchtigkeit. Wenn´s noch bisschen feuchter wird, schwimmen wir.“ Einer meiner Lieblingssätze und zugleich ein Kapitelanfang dieses wunderbaren Buches. Hier spricht Aibileen, das „Mädchen“, das im Haushalt von Weißen arbeitet.

Starke Frauen gab es schon immer. Wie sehr sie das Denken und Leben in der Welt veränderten, ist jedoch wenig bekannt. Die Geschichte dreier Frauen aus Jackson, Mississippi, 1962, ist erfunden. Doch wer sagt, dass es solche Frauen dort oder anderswo nicht gegeben hat? Die Autorin kannte sie, hat sie erlebt und berichtet mit einigem Abstand sehr authentisch vom Leben dieser mutigen Frauen.

In den 1960´er Jahren war die „Rassentrennung“ in Teilen der USA noch Alltag. Schwarz und Weiß hieß zugleich Diener*in und Herr*in, Geduldete und Bestimmende. Aibileen und Minny sind schwarze Dienstmädchen, die sich nicht ganz so viel gefallen lassen wie andere und dadurch ständig auffallen. Sie hinterfagen ihre Rolle als Kinder- und Dienstmädchen und kritisieren insgeheim das Verhalten ihrer Chefinnen. Skeeter ist Tochter aus wohlhabendem Hause und fällt aus der Rolle, weil sie sich nicht anpassen will. Auch sie hinterfragt ihre Rolle als „weiße Lady“. Vielmehr jedoch fallen ihr Ungerechtigkeiten gegenüber den schwarzen Dienstmädchen auf. Sie will Journalistin werden und Bedeutsames schreiben. Das gelingt ihr nur sehr mühsam, indem sie zunächst eine Haushaltskolumne schreiben soll. Dafür benötigt sie Hilfe, die sie von Aibileen bekommt. Bald erfährt sie vielmehr über den Alltag, die Sorgen und Nöte der schwarzen Frauen und beschließt, darüber zu schreiben.

In einer Zeit, wo Schwarze gefoltert und getötet werden, wenn sie sich nicht unterordnen, scheint das unmöglich. Es ist erschreckend und traurig zu lesen, wie schlecht es den schwarzen Frauen dieser Zeit und in diesem Land ging. Umso schöner ist es, zwischendurch zu schmunzeln. Die Autorin lässt die Figuren sehr lebendig erscheinen, insbesondere durch die Sprachfärbungen jeder einzelnen Figur. Mit viel Witz und Scharfsinn zeigt sie Stärken und Schwächen jeder einzelnen Figur. Das Buch liest sich viel zu schnell und hinterlässt Impulse, darüber nachzudenken, wie es heute um die Akzeptanz und Gleichberechtigung aller Menschen steht.

Fazit: Ein wunderbar spannendes, humorvolles, gesellschaftskritisches und erkenntnisreiches Buch, das lange nachwirkt.

Kathryn Stockett: Gute Geister. The Help. btb 2012 (22. Auflage)

ISBN 978-3-442-74508-1