Was man noch sagen darf

Die neue Lust am Tabu

Wie soll ich mich noch normal unterhalten, wenn ich dauernd nachdenken muss, welche Begriffe ich verwenden darf? So fragt sich manch ein Mensch. Andere provozieren bewusst, um Diskussionen anzuregen oder Sprache als besetzt von Tabus darzustellen. Doch tatsächlich darf man zumindest hierzulande fast alles sagen. Es ist nur die Frage, ob und wen man evtl. verletzt, herabwürdigt oder beleidigt. Und man muss mit Reaktionen rechnen.

Der Autor macht unter anderem deutlich, dass allein die Sprache nicht Grund für Traumata ist. Vielmehr gilt es zu erkennen: „In einer Atmosphäre der vorauseilenden Verletzlichkeit wird Leid quasi unvermeidlich.“ (S.44). Dazu kommt, dass rechts orientierte Politiker*innen Tabus bewusst herbeireden, „um sich als Freiheitskämpfer zu inszenieren“. (Klappentext)

Statt immer mehr sprachlichen Tabus zu folgen, ist es sinnvoller, Aussagen zu hinterfragen (denn es ist nicht automatisch richtig, was öffentlich häufig wiederholt wird) und herauszufinden, was der Wahrheit am nächsten kommt.

Fazit: „Sprachliche Tabus gehören zum Zusammenleben dazu.“ (S. 82) Sie helfen uns Regeln zu erkennen, Menschen einzuordnen und sind trotzdem nicht allgemeingültig. Dieses Buch gibt viel Input zum Nachdenken und Diskutieren.

Steve Ayan: Was man noch sagen darf. Carl-Auer 2022

ISBN 978-3-8497-0453-7

Wie wir die Welt sehen

Was negative Nachrichten mit unserem Denken machen und wie wir uns davon befreien

Wie wir die Welt sehen von Ronja von Wurmb-Seibel

Wir alle hören ständig Nachrichten, und fast immer sind diese negativ. Während des ersten Corona-Jahres ging es viele Menschen so: „Die Nachrichten sind wir zu viel!“ Wenn die eigene Belastung schon groß ist, verkraften wir negative Nachrichten schlechter, können sie meist nicht mehr verarbeiten.

Die Autorin und Journalistin lebte einige Jahre in Kabul, Afghanistan. Sie wollte nicht die üblichen schlimmen Nachrichten berichten, sondern den Blick auf Lösungen und die kleinen und großen positiven Momente der Menschen dort lenken. Dies ließ sie erkennen, wie wichtig es ist, Nachrichten zu verändern. „Scheiße plus x“ nennt sie es, wenn zu der Nachricht über ein Ereignis, die erschreckend, traurig – eben negativ ist, ein Lösungsansatz, ein Hoffnungsschimmer oder eine Zukunftsperspektive ergänzt wird. Solch konstruktive Nachrichten helfen uns, machen Mut und stärken, weil sie den Blick auf das Wesentliche, nämlich die Handlungsmöglichkeiten lenken.

Leider schreibt die Autorin sehr ausladend, weitschweifend. Oft bringt sie gleich vier oder fünf Beispiele, wenn sie etwas erklärt. Vieles wiederholt sich und die privaten Einblicke gehen manchmal sehr weit. Das stört etwas den Lesefluss, wenn man doch eigentlich mehr über die Kernfrage wissen will und auf Lösungen hofft. Etwas mehr Straffung hätte dem Buch gut getan. Doch vielleicht ist das auch ein sehr subjektiver Eindruck und andere Leser*innen mögen gerade die ausführlichen Beispiele.

Fazit: Ein positiver, konstruktiver Ansatz für Nachrichten, ob private oder öffentliche, hilft uns Menschen, nach vorne zu sehen, das Leben zu begrüßen und positiv zu verändern. In diesem Buch erfährt man, wie das passieren könnte.

Ronja von Wurmb-Seibel: Wie wir die Welt sehen. Kösel Verlag 2022 (4. Auflage)

ISBN 978-3-466-34780-3

Gefährliche Treue

Lorenz Lovis ermittelt (ein Brixen-Krimi)

Lorenz Lovis ist ein ehemaliger Staatspolizist, der nun als Privatdetektiv arbeitet. Eigentlich lebt und arbeitet er aber mit seiner Freundin Angelika auf einem Hof in Brixen. Nun will er ein paar Tage auf einer Alm verbringen und nebenbei einen kleinen Fall lösen. Ein Pilzräuber treibt sich herum. Mit dabei drei Jungen, „alle unter 14“ (die nicht besonders ausführlich vorgestellt werden). Dann aber passiert ein Mord und die Schwester des Mordopfers schmeißt sich ziemlich offensichtlich an Lovis ran, während er auch in diesem Fall ermittelt. Etwas irritierend ist, dass Lovis praktisch jeden verdächtigt und das auch ganz offensiv. Vielleicht soll das sein besonderes Merkmal sein, dass er so planlos drauflosermittelt.

Es gibt viele, oft interessante Figuren in dieser Geschichte. Leider ist es nicht ganz einfach, sich einzufinden, ohne die vorigen beiden Bücher um Lorenz Lovis gelesen zu haben. Trotzdem liest sich der Roman flüssig, ist unterhaltsam und auch etwas spannend. Nachdem auf der Alm viel gegessen wird, ist es ein schönes Geschenk am Ende des Buches Rezepte aus Südtirol zu finden.

Fazit: Wer die beiden ersten Fälle von Lorenz Lovis kennt, wird mit diesem Alm-Krimi viel Spaß haben. Auber auch ohne Vorwissen liest man sich bald ein und wird gut unterhalten.

Heidi Troi: Gefährliche Treue. Servus Verlag 2022

ISBN 978-3-7104-0281-4