Selber machen

Bretonisches Leuchten

Kommissar Dupins sechster Fall

bretonisches-leuchten-kommissar-dupins-sechster-fall-bannalec-jean-luc-9783742401946Was passiert, wenn man einen eifrigen Kommissar samt Freundin Claire an einen Strand legt? Es wird langweilig! So auch in diesem sechsten Fall von Dupin. Weil er es am Strand so gar nicht aushält, spaziert er herum. Dabei muss der Hörer sich ununterbrochen anhören, wie schön die Bretagne ist und wie es geht, Bretone zu sein. Das mag für Fans dieses Landstriches sicherlich interessant sein, doch handelt es sich hier ja um einen Krimi, nicht um einen Reisebericht.

Schließlich bekommt der Kommissar seinen Fall, als eine Frau verschwindet. Mithilfe des Kioskbesitzers und des eifrigen Hotelangestellten, der irgendwie ständig auftaucht, kann Dupin heimlich ermitteln. Dabei muss er sich vor seiner Freundin Claire verstecken, der er ja versprochen hat, endlich mal Ruhe zu geben und Urlaub zu machen. Sie schwelgt richtig im Faulsein. Doch der Kommissar vermutet irgendwann, dass sie selbst irgendwie arbeitet oder ermittelt (so ganz habe ich es nicht verstanden, ist sie doch Kardiologin…).

Der sogenannte Fall entpuppt sich bald als endloses Gelaber, mit viel Lokalkolorit. Wer den Kommissar seit dem ersten Fall verfolgt und liebt, hat hier sicher seine Freude. Doch mir war alles Drumherum zu viel und vom Fall viel zu wenig. Da nützt es auch nichts, wenn der Sprecher Gerd Wameling sich wirklich bemüht, der Handlung Stimme zu geben.

Fazit: Für Fans von Kommissar Dupin sicher eine weitere lang ersehnte Folge. Mir gab es zu viele Zufälle, die Handlung war zu absehbar und das ewige Schwelgen in der Landschaft war mir zu langweilig.

Jean-Luc Bannalec: Bretonisches Leuchten. Kommissar Dupins sechster Fall. DAV 2017

7 CDs, Laufzeit ca. 9 h 14 min, Sprecher Gerd Wameling (ungekürzte Lesung)

ISBN 978-3-7424-0194-6

Hörbuch · Kinder- und Jugendbuch

Tildas Tierbande

Ein Wollschwein im Wohnzimmer

tildas-tierbande-teil-1-ein-wollschwein-im-wohnzimmer-lott-anna-9783742401793.jpgWollschweine, eigentlich Mangalica, mag ich richtig gerne. Allerdings weiß ich auch, wie sie leben möchten, vor allem in viel Schlamm, daher würde ich sie nicht als Haustiere empfehlen. Dass sie aber echt nett aussehen mit ihrem wolligen Fell und sicherlich gezähmt werden können, kann ich mir gut vorstellen.

Tilda, das Mädchen, das immer einen Regenbogen sieht, wenn sie glücklich ist, zieht in den Trüffelweg, wo mehrere neue, bunte Häuser gebaut wurden. Sie freut sich am meisten auf ihr Schaf, das sie unbedingt als Haustier haben will. Doch es kommt alles anders. Denn Tilda lernt die Kinder der neuen Nachbarn kennen und entdeckt ein paar ganz besondere Tiere auf einem Bauernhof in der Nähe.

Manchmal erscheint die Welt von Tilda schon sehr einfach und naiv, doch sie ist eben ein Kind, das Fantasie hat und so passt wieder alles zusammen. Klar wird ein Bauer keine Tiere einfach Kindern überlassen, die er nicht mal kennt. Aber es ist eine Geschichte, da darf das so sein.

Übrigens handelt es sich hier um den ersten Teil einer Reihe!

Fazit: Ein unterhaltsames Hörbuch, das Spaß macht und sicherlich vielen Kindern (übrigens nicht nur Mädchen) Freude bereitet.

Anna Lott: Tildas Tierbande. DAV 2017

2 CDs, 2h 44 min. Sprecherin: Anita Hopt

ISBN 978-3-7424-0179-3

Hörbuch · Roman

1984

1984-orwell-george-9783742402035.jpg 1984? Deutschland war geteilt in eine freie (?) BRD und eine vom Staat überwachte DDR. Geheimdienste in aller Welt haben die Bürger ihrer Länder beschattet, auspioniert und manipuliert. Was ist heute? Wohin führt die Machtgier der Präsidenten einiger Länder? Wohin führt die Ausbeutung der Erde und der sich immer weiter steigernde Kapitalismus?

Als George Orwell seinen Roman „1984“ veröffentlichte war gerade der unvorstellbar grausame Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen und die Menschen versuchten, neuen Halt zu finden, zu überleben. Doch zugleich entstanden neue Mächte, neue Machenschaften…

Kaum zu glauben, dass dieser Roman, der vor so langer Zeit geschrieben wurde, heute so aktuell ist. „Big Brother“ kennen wir alle. Diese idiotische Show, die damit spielt, Menschen durchgehend zu beobachten und zu manipulieren. Was, wenn es einen echten großen Bruder gibt? Was, wenn wir tatsächlich nicht mehr frei leben können? Wer will sich das vorstellen?

Das Hörspiel 1984 wurde bereits 1977 vom RIAS Berlin produziert und klingt keineswegs alt oder vestaubt. Die Stimmen sind gut ausgesucht und die Sprecher arbeiten mit viel Feingefühl. Mir gefällt besonders die zurückhaltende Art der Produktion, ganz ohne große Effekte und Klangräume.

Fazit: 1984 bleibt leider aktuell und wer das Buch nicht lesen möchte, sollte sich das Hörspiel kaufen und anhören. George Orwell regt an, nachzudenken, sich aufzulehnen und nie zu vergessen.

George Orwell: 1984. DAV 2017

Hörspiel mit Ernst Jacobi, Angela Winkler, Dieter Borsche u.v.a.

2 CDs mit Booklet, Laufzeit ca. 1h 59 min

ISBN 978-3-7424-0203-5

Hörbuch

Die Überfahrt

978-3-8398-1543-4

Eine schwedische Fähre bringt regelmäßig viele Menschen über die Ostsee. Es ist bekannt, dass auf der „Baltic Charisma“ gefeiert wird und zwar so extrem, dass manche Passagiere nur deshalb an Bord sind. Es wird viel getrunken und getanzt, einige Paare finden sich und verbringen zumindest kurze Momente gemeinsam in einer der Kajüten.

Zunächst ist es spannend und gewissermaßen amüsant, die einzelnen Personen bei ihrer Ankunft auf der Fähre zu begleiten und zu hören, wie sie sich dort allmählich einfinden. Der Sprecher David Nathan (bekannt als Stimme der Hörbücher von Stephen King) versteht es, die einzelnen Charaktere mit seiner Stimme individuell zu modellieren, sodass sie während der Szenen immer näher kommen.

Eine Mutter mit ihrem Kind taucht auf und weckt das Interesse der Zuhörer. Die Passagiere auf dem Schiff bemerken sie zunächst nicht. Die Geschichte geht zunächst weiter mit den Erlebnissen der anderen Passagiere bis…

Es ist spannend und zwar so sehr, dass es schwer ist, das Anhören zu unterbrechen. Die 16 Stunden Lauflänge des Hörbuches verfliegen im Nu. Einzig das Ende kommt etwas abrupt und wirkt unausgereift. Mir hätte hier besser gefallen, wenn der Autor die Erzählstränge, also die einzelnen Figurenperspektiven, mehr ineinander verwoben hätte (so wie ich es z.B. von den Thrillern von Stephanie Fey kenne).

Fazit: Ein unterhaltsames und spannendes Hörbuch mit besonderen Wendungen. Hervorragend gelesen und so kurzweilig, dass 16 Stunden dahinfliegen.

Mats Strandberg: Die Überfahrt Argon Verlag 2017

2 MP3 CDs ca. 16 Stunden ungekürzte Lesung

ISBN 978-3-8398-1543-4

Roman

Ein Jahr auf dem Land

9783328100140_Cover.jpgAls Fotografin war sei einmal ziemlich berühmt, doch jetzt ist sie fast 60 und ziemlich pleite. Ihr New Yorker Haus ist wertvoll genug, um durch die Vermietung so viel Geld einzubringen, dass sich Rebecca irgendwo außerhalb in einem Kaff ein altes Häuschen mieten kann. So beginnt ihr Leben auf dem Land gleich ziemlich aufregend, weil sich ein Waschbär auf ihrem Dachboden eingenistet hat, der schließlich von einem netten Herrn erlegt wird.

Der Beginn dieses Romans ist sehr amüsant und lässt hoffen, dass es sich um eine witzige und romantische Geschichte handelt. Dass die Protagonistin knapp 60 Jahre alt ist, spielt kaum eine Rolle, denn sie verhält sich wie eine 30jährige. Überhaupt kommt man als Leser der Figur nur so wenig nahe, dass das Alter kaum spürbar ist.

Rebecca geht weiterhin ihrer Berufung, dem Fotografieren, nach. Sie unternimmt ausgedehnte Spaziergänge und entdeckt merkwürdig schön arrangierte Kreuze. Zum Glück hat sie sich die Regel aufgestellt, Motive nicht zu verändert und so zerstört sie nicht, was hier jemand so hindrappiert hat. Bald lernt Rebecca einige Menschen im Dorf kennen und freundet sich mit dem Waschbären-Töter an…

Das Buch liest sich sehr flüssig, doch bleiben die Figuren auf Distanz. Die Handlung ist irgendwie nicht besonders interessant und es gibt keine Überraschungen. So bleibt das Buch ein netter Roman ohne großen Eindruck.

Fazit: Auch mit knapp 60 kann man sich verlieben, man kann etwas Neues beginnen und man kann sich trauen, anders zu leben. So zumindest erlebt es Rebecca in diesem etwas zu ruhigen Roman. Lesbar, unterhaltsam aber ohne Tiefgang oder größere Überraschungen.

Anna Quindlen: Ein Jahr auf dem Land. Penguin Verlag 2017

ISBN 978-3-328-10014-0

Selber machen

Das Blusen-Nähbuch

Ein Grundschnitt 15 Styles

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Vorgestellt werden in diesem Buch tatsächlich 15 sehr unterschiedliche Blusenmodelle, vom kurzärmeligen Jeanshemd über die Spitzenbluse bis zum Fransenhemd aus (Kunst-) Leder. Sogar ein Kleid ist dabei und eine Tunika ganz ohne Knöpfe und Brusttaschen. Die Modelle sind sicher Geschmackssache, lassen sich aber jeweils auch noch durch die Stoffwahl sehr gut an den eigenen Stil anpassen.

Für jedes Modell gibt es großformatige Fotos, Skizzen, Zuschneidepläne und jeweils eine Zeichnung. Die Anleitungen zu den Blusen werden in etwas groben Schritten erläutert. Eine Grundanleitung für eine Bluse gibt es ganz hinten im Buch (warum eigentlich nicht am Anfang?).

Leider sind die Anleitungen nicht sehr gut erklärt. Manche Schritte sind unverständlich und da ohne Foto nicht umsetzbar, sofern man kein absoluter Profi ist (aber wozu braucht der so ein Buch?). Zum Beispiel bei der Tunikka (S.14 ff), die ich genäht habe: „Am Vorderteil die Breite für die Leisten herausschneiden …“ – welche Leisten genau, wie viel davon abscheiden? Mit einem Foto doder einer Skizze könnte man dies verstehen. Ebenso: „An der unteren Ecke ein Stück Vlieseline aufbügeln.“ –  Wo genau, wie groß soll das Stück sein? So geht es weiter und führte bei mir dazu, dass die Tunika vorne zwei kleine  Löcher bekam. Ärgerlich.

Das zweite Manko: Die Schnittteile sind auf einem Bogen (Vorder – und Rückseite) ausschließlich mit schwarzen Strichen gedruckt. Fast jedes Teil, insbesondere aber Vor- und Rückteile, enthalten zahlreiche Details, um für jedes Modell variieren zu können. Wenn man die Linien durchradelt ist das Papier balds so stark perforiert, dass es sich auflöst. Ich habe also durchgepaust. Es hat ca. 10 Stunden gedauert alles zu kopieren und auszuschneiden! Trotz großer Anstrengung habe ich einige Markierungen und Modellhinweise übersehen und bei meiner Tunika Probleme gehabt, die Ärmel anzupassen. Außerdem ist das Rückenteil zu breit und ich habe eine Kellerfalte eingenäht, um es anzupassen.

Trotz dieser Fehler ist das Buch wertvoll, denn die Schnitte passen hervorragend und die Modelle regen an, aus den 15 Variationen noch viel mehr eigene Kreationen zu entwickeln.

Fazit: Gut sitzende Schnitte  (auch in 46) für 15 verschiedene Blusen und noch viele eigene Ideen mehr. Da die Anleitungen etwas oberflächlich und lückenhaft sind, nur für fortgeschrittene Näherinnen gegeignet, die viel Gduld mitbringen.

Hier meine Tunika

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Mia Führer: Das Blusen-Nähbuch. Christophorus Verlag 2017

ISBN 978-3-8410-6440-0

 

 

 

Kochen · Selber machen

Brotbacken in Perfektion

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Das Plötz-Prinzip

Vollendete Ergebnisse statt Experimente

Nun durfte ich auch noch ein drittes Buch von Lutz Geißler lesen und freue mich sehr darüber. Denn es ist tatsächlich wieder anders als die beiden, die ich bereits hier  besprochen habe. Insbesondere sind in diesem Buch ausschließlich Brote aus Weizen- und Dinkelmehl vorgestellt.

In diesem Buch gibt es zunächst ein Inhaltsverzeichnis mit Abbildungen. Das ist wirklich großartig, denn so sieht man sofort, worauf man Lust haben könnte.  In der sehr ausführlichen und informativen Einleitung erfährt man wichtiges über Geräte, Zutaten, Handgriffe und dann auch über Mehle. Schließlich stellt Lutz Geißler sein Prinzip vor: Die Schritte vom Mischen und Kneten übers Gehen bis zum Backen, einfach und verständlich erklärt. Besonders ist hier die Variationsmöglichkeit zwischen Gehzeit im Warmen oder im Kühlschrank. Je nachdem, wo und wie der Teig seine Ruhezeit verbringt, braucht er länger und entwickelt sich anders.

Die Rezepte sind alles sehr gut erklärt und haben immer verschiedene Varianten dabei. So ist für jeden möglich, ein Brot zu backen. Die Fotos sind auch in diesem Buch wirklich großartig, sodass man sofort in so ein leckeres Brot beißen möchte.

Meine Versuche waren allerdings nicht so prickelnd. So ganz bekomme ich das mit den Ruhezeiten nicht hin, denn entweder ist es im Raum mal kalt und mal warm oder ich knete wohl zu wenig (mangels Küchenmaschine geht mir irgendwann die Kraft aus).

Fazit: Wer Brotbacken lernen oder seine Kenntnisse erweitern und vertiefen will, liegt bei diesem Buch genau richtig. Es gibt hier Rezepte mit Weizen- und Dinkelmehl in verschiedensten Variationen.

Lutz Geißler: Brotbacken in Perfektion. Becker Joest Volk Verlag 2016

ISBN 978-3-95453-104-2

http://www.ploetzblog.de